Finanzmärkte
„Wir leiden alle unter den Banken“

Swatch-Group-Chef Nick Hayek äußert sich im Interview über seine Klage gegen die UBS, seine Vorschläge gegen die Macht der Banken und die Schweiz als Modell für ein erfolgreiches Europa.
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Herr Hayek, Sie gehen gerichtlich gegen die UBS vor. Wollen Sie an der Bank ein Exempel statuieren?

Quatsch. Die UBS trägt eine Verantwortung für ihr Tun. Sie kann uns nicht etwas verkaufen, dafür eine Provision einstecken und uns dabei so schlecht beraten.

Es geht um Absolute-Return-Fonds, die vor der Finanzkrise als sichere Anlagen angepriesen wurden. Dann verlor die Swatch Group dadurch 30 Millionen Franken.

Wir haben monatelang den Kontakt gesucht mit der UBS, wir schrieben Briefe - aber es kam einfach keine Reaktion. Das war noch zur Zeit, als dort die Chaosmannschaft regierte. Da sie es nicht für nötig hielten zu reagieren, blieb uns nichts andres übrig, als sie zu betreiben.

Das war im April letzten Jahres.

Ja. Dieser Weckruf kam bei der UBS an. Der neue Leiter des Rechtswesens kam auf uns zu. Wir insistierten auf unserer Position: Unsere Unterlagen belegen ganz klar eine miserable Beratung, also reden wir darüber. Dann fand ein Gespräch statt zwischen meinem Vater, mir und den Vertretern der UBS.

Mit großen Differenzen?

Nein, wir stellten klar, dass wir froh sind, miteinander sprechen zu können. Die Swatch Group arbeitet weiterhin mit der UBS, und die Zusammenarbeit ist oft gut. Aber nach dem Gespräch passierte lange wieder nichts Substanzielles. Dann sandte die UBS einen Brief, in dem sie einen Vergleich ausschloss, und dieser Brief wurde unglücklicherweise am Todestag meines Vaters geschrieben.

Es ist also nicht so, dass Sie dies als Affront empfanden?

Nein, das war ja für niemanden vorhersehbar. Inhaltlich aber war der Brief einfach ein besserer Werbeprospekt, er enthielt weder Antworten noch Lösungsansätze. Dies konnten und wollten wir uns nicht bieten lassen.

Wie konnte es passieren, dass ein Unternehmen vom Format der Swatch Group sich solche Anlagen aufreden lässt?

Hinterher ist man immer klüger. Tatsache ist, dass wir - wie viele andere - der Meinung waren, mit der UBS eine professionelle Organisation vor uns zu haben. Die UBS hat immer auf ihre Kompetenz gepocht, und sie verkauft ihre Dienstleistungen für nicht wenig Geld. Was wir nun verlangen, ist lediglich eine transparente Aufarbeitung und die Anerkennung der Fakten. Die UBS trägt ganz klar einen großen Teil der Verantwortung. Und das gilt es nun gerichtlich zu klären. Natürlich ist so ein Fall unangenehm für eine Bank, aber Abblockstrategien funktionieren bei uns nicht.

Sie, Ihr Vater, die Swatch Group insgesamt äußerten sich immer wieder kritisch über die Zustände in der Finanzbranche. Sie waren stets auch eine wirtschaftspolitische Stimme.

Ja, das stimmt. Das hat eine lange Tradition. Wir haben immer wieder wichtige Prinzipien thematisiert. Zum Beispiel, dass wir alle riskieren, zu Sklaven der Finanzmärkte zu werden.

Die Swatch Group als Stimme der Realwirtschaft?

Das Wort mag ich nicht.

Warum? Was Sie produzieren, ist real.

Was die Finanzwirtschaft macht, ist leider auch real. Und teilweise katastrophal. Wir wären ja froh, wenn es nur virtuell wäre wie das Monopoly-Spielgeld. Doch leider beeinflusst die Finanzbranche nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Art und Weise, wie die Gesellschaft die Wirtschaft betrachtet.

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  • Der hat eine eigene Meinung und spricht sie auch aus. Andere sprechen nur Werbung - so wie die banker, und auch zu viele der Politiker...

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