Finanzmarktkrise
Luxus-Hersteller Richemont bleibt gelassen

Dass Investmentbanker und Hedgefonds-Manager wegen der Finanzmarktkrise vielleicht bald weniger Geld für Schmuck von Cartier und teure IWC-Uhren ausgeben könnten, bereitet dem Luxusgüterkonzern Richemont kein Kopfzerbrechen. Im Gegenteil: Nach guten Geschäften in den ersten fünf Monaten des Geschäftsjahres 2007/08 strotzt das Unternehmen vor Zuversicht.

HB ZÜRICH. „Richemont hat das Glück, dass das Luxusgütergeschäft sich historisch gesehen als wenig anfällig für externe Störungen erwiesen hat, auch wenn es nicht immun ist“, sagt Konzernchef Johann Rupert gemäss Redetext am Donnerstag auf der Generalversammlung in Genf. Es gebe noch viele Wachstumsmöglichkeiten, um in bestehenden Märkten zusätzliche Kunden zu gewinnen oder neue Märkte zu erschliessen. „Ich bin deshalb sehr zuversichtlich, dass was immer kurzfristig vor uns liegt, Richemont langfristig weiter gedeihen und wachsen wird.“

Traditionell gibt der nach LVMH zweitgrösste Luxuskonzern der Welt auch Einblick in das Umsatzwachstum der ersten fünf Monate des bis Ende März laufenden Geschäftsjahres und ist damit einer der ersten Konzerne, der über die Verkäufe in den Börsenkrisenmonaten Juli und August berichtet. Im Zeitraum von April bis Ende August habe der Umsatz um elf Prozent angezogen. Von Reuters befragte Analysten hatten zehn Prozent erwartet. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres lag das Wachstumstempo mit 16 Prozent noch deutlich höher. Allerdings haben die Devisen-Wechselkurse einen starken Einfluss für den in Euro rechnenden Konzern. Zu konstanten Wechselkursen kletterte der Umsatz um 17 Prozent. Absolute Umsatzzahlen wurden nicht vorgelegt.

Unter den einzelnen Sparten lagen Richemont zufolge die Uhren an der Pole Position. Der Umsatz mit edlen Zeitmessern von Vacheron Constantin, Jaeger-LeCoultre oder IWC zog um ein Fünftel an. Die Umsätze der vor allem für Füller bekannten Marke Montblanc legten um elf und die der Schmuck-Sparte mit Namen wie Cartier und Van Cleef & Arpels verzeichneten ein Plus von acht Prozent.

Nach Absatzgebieten betrachtet liegt Asien mit einem Umsatzplus von 22 Prozent abermals vorne, gefolgt von Europa mit 14 und Amerika mit sechs Prozent. Ähnlich wie beim Konkurrent Swatch kann Richemont derzeit gar nicht so viele Hochpreis-Zeitmesser fertigen wie nachgefragt werden. „Wir nehmen uns der gesamten Lieferfrage an und haben Pläne für einen weiteren Ausbau der Uhrmacher-Kapazitäten“, sagte Konzernboss Rupert.

Die Richemont-Aktie legte am Donnerstagmorgen 1,5 Prozent zu. ZKB-Analyst Patrik Schwendimann spricht von „starken Zahlen, gepaart mit kurzfristigen Unsicherheiten“. Der Luxussektor boomt seit vier Jahren, weshalb er die Aktie kürzlich zurückgestuft habe. „Falls die gegenwärtige Hypothekenkrise jedoch ohne grösseren Schaden für die Realwirtschaft überstanden werden könnte, wäre die Einstufung zu vorsichtig."

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