Finanzmarktkrise trifft Landwirtschaft
Agrarkonzerne kappen Investitionen

Auf den internationalen Agrarmärkten ist innerhalb weniger Wochen Ernüchterung eingekehrt. Die Finanzmarktkrise trifft die gesamte Landwirtschaft, angesichts des rapiden Preisverfalls fordern Bauern neue staatliche Programme zur Kostenentlastung. Bei den Verbrauchern kommen die sinkenden Rohstoffkosten allerdings bisher nur mit Verzögerung an.

MÜNSTER. Nach einem bisher beispiellosen Boom auf den Märkten für Agrarrohstoffe sind die Preise für Weizen, Mais und Soja mit der gleichen Geschwindigkeit wieder in den Keller gerutscht, mit der sie sich in den vergangenen 24 Monaten nach oben bewegt hatten. Die Gründe dafür liegen sowohl in der weltweiten Finanzkrise als auch in den guten Ernten dieses Jahres, die für ein überreiches Angebot an Getreide und Ölsaaten sorgen.

Führende deutsche Agrarkonzerne wie die Münchner Baywa AG und die Münsteraner Agravis Raiffeisen AG ziehen aus der Entwicklung schon jetzt erste Konsequenzen. "Wir werden unsere für 2009 geplanten Investitionen um 25 Prozent kürzen", sagte Agravis-Chef Clemens Große Frie im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Und auch die börsennotierte Baywa will 2009 "etwas zurückhaltender" investieren, wie eine Sprecher des Unternehmens bestätigte. Einen genaueren Ausblick wird Baywa-Chef Klaus Josef Lutz voraussichtlich erst bei der Vorlage der nächsten Quartalszahlen im November geben können. Agravis-Chef Große Frie denkt schon über erste Auswirkungen für die rund 4 700 Mitarbeiter seines Konzerns nach. So werde man jede Personalentscheidung "behutsam" prüfen und etwa nicht mehr jeden Auszubildenden nach bestandener Prüfung automatisch in ein Arbeitsverhältnis übernehmen. Neben dem Getreidehandel bilden Landtechnik sowie Baustoffhandel und Verbrauchermärkte wichtige Geschäftsfelder von Agravis - alles Bereiche, die im kommenden Jahr voraussichtlich ebenfalls unter einer verschärften Investitions- oder Konsumzurückhaltung leiden werden.

Das Jahr 2008 wird allerdings noch als ein Jahr der Superlative in die Annalen der Agrarbranche eingehen. Nach den eher bescheidenen Ernten im Jahr zuvor sowie dem Ausfall wichtiger Exportgebiete wie der Schwarzmeer-Region hatten sich beispielsweise die Weizenpreise innerhalb nur eines Jahres nahezu verdoppelt. Ähnliches hatte sich bei Raps, Mais und Soja abgespielt.

Die dadurch im ersten Halbjahr deutlich gestiegenen Umsätze aus dem Handel mit Getreide- und Ölsaaten lassen die Agravis-Erlöse bis Ende 2008 im Vergleich zum Vorjahr voraussichtlich um fast zwölf Prozent auf über fünf Mrd. Euro steigen. Der Gewinn wird nach Unternehmensberechnungen im Jahresvergleich von 17 auf über 25 Mio. Euro zulegen.

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