Finanztochter bis 2009 profitabel
GE beruhigt Investoren

Der amerikanische Industrie-Riese General Electric wird dieses Jahr voraussichtlich keine zusätzlichen Mittel benötigen, um Verluste bei der Finanzeinheit GE Capital aufzufangen. Mit einer fünfstündigen Investorenkonferenz reagierte der Konzern auf Kritik, er stelle seine finanzielle Situation nicht transparent genug dar. An der New Yorker Börse stieg die Aktie zeitweise um fast zehn Prozent.

NEW YORK. „Wir haben genügend Kapital, um selbst eine sehr ungünstige wirtschaftliche Entwicklung zu überstehen“, sagte GE-Finanzchef Keith Sherin am Donnerstag auf der mit Spannung erwarteten Investorenkonferenz des Mischkonzerns. Er begegnete damit wochenlangen Spekulationen über verborgene Risiken bei der Finanzsparte. An der New Yorker Börse reagierte die Aktie mit einem Kurssprung von zeitweise fast zehn Prozent.

Sherin bekräftigte frühere Aussagen, dass GE Capital im ersten Quartal und im Gesamtjahr 2009 ein positives Ergebnis vorlegen werde. Nach unterschiedlichen Szenarien könnte der Gewinn allerdings statt der geplanten fünf Mrd. Dollar auf zwei bis 2,5 Mrd. und im schlechtesten Fall sogar fast auf Null absinken. Der Finanzchef betonte, dass die Konzerntochter ihre langfristige Finanzierung für 2009 bereits zu 93 Prozent abgeschlossen habe. Bei Bedarf könne GE überdies auf unausgeschöpfte Kapazitäten von rund 60 Mrd. Dollar zurückgreifen, die durch die staatliche Einlagensicherung FDIC gedeckt seien.

Mit der fünfstündigen Investorenkonferenz reagierte der Konzern auf Kritik, er stelle seine finanzielle Situation nicht transparent genug dar. Anstelle von CEO Jeffrey Immelt nahm der Chef von GE Capital, Mike Neal, Stellung zur Situation der Finanztochter. Er versicherte, dass das Unternehmen ausreichend Liquidität besitze: „Unsere Schlüsseldaten sind sehr gut im Vergleich zu den Banken und spiegeln eine gesunde Kapitalbasis wieder.“

GE ist ein Mischkonzern, der starke Industriesparten besitzt. Das Unternehmen baut etwa Kraftwerke und Flugzeugtriebwerke. Daneben gibt es die Finanzeinheit, die in den vergangenen Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen hatte. 2008 trug sie mit einem Profit von 8,6 Mrd. Dollar fast die Hälfte zu GEs Gesamtgewinn von 18,1 Mrd. Dollar bei.

In den vergangenen Wochen war GE immer stärker unter Druck geraten, weil die Zweifel an der Stabilität seiner Finanztochter zugenommen hatten. Der Kurs der Aktie fiel binnen Jahresfrist von fast 40 auf zeitweise unter sechs Dollar. Am Donnerstag wurde das Papier mit mehr als zehn Dollar gehandelt.

Investoren und Analysten hatten befürchtet, dass im Portfolio von GE Capital weit höhere Abschreibungen vorgenommen werden müssten als bisher vom Management angekündigt. Rund ein Viertel des Portfolios besteht aus Gewerbeimmobilien, deren Wert in den USA in den vergangenen Monaten erheblich gesunken ist. GE Capital hat diese Entwicklung bisher kaum in seiner Bilanz berücksichtigt und will dies offenbar auch weiterhin nicht tun. Die praktizierten Standards seien „angemessen“ und das Portfolio „von guter Qualität“, sagte ein Konzernmanager am Donnerstag. Er räumte aber ein, dass die Leerstände bei den Gewerbeimmobilien steigen und die Mieten um bis zu 20 Prozent einbrechen könnten. Doch selbst bei einem Worst-Case-Szenario seien die Risiken beherrschbar.

Bei einer Abwertung wäre die Fi-nanzeinheit unterkapitalisiert, und das Mutterunternehmen müsste er-neut zusätzliches Kapital bereitstel-len. Erst im Oktober hatte sich GE 15 Mrd. Dollar auf dem Kapital-markt besorgt und damit die Barre-serven seiner Tochter aufgestockt. Eine erneute Aktion hat Sherin jetzt definitiv ausgeschlossen.

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