Finanztochter GMAC
GM findet keine Nachahmer

Der Plan von General Motors, die Finanztochter GMAC zu verkaufen, wird in der Branche keinen Nachahmer finden. Vielmehr gilt die Entscheidung des weltgrößten Autobauers, sich von seiner Ertragsperle zu trennen, als ein Zeichen für dessen desaströse Situation. „GM steckt in einer Notsituation.

FRANKFURT. Da kommt man auch auf Ideen, die strategisch gesehen nicht so klug sind“, sagt Daimler-Chrysler-Finanzchef Bodo Uebber. „Unsere Finanzierungssparte ist hoch profitabel und wichtig für die Kundengewinnung und -bindung. Die würden wir niemals aus der Hand geben.“

Auch bei BMW ist der Verkauf der Finanzaktivitäten kein Thema, bestätigte ein Sprecher. VW hat die Sparte sogar gestärkt durch die Übernahme des Leasingunternehmens Leaseplan sogar noch ausgebaut. Und auch Ford-Finanzchef Don Leclair hat klar gemacht, dass ein Verkauf nicht ansteht.

Vor allem die akute Not treibt GM zu dem Schritt: „Dem Konzern steht das Wasser bis zum Hals und das Geld lockt“, sagt Albrecht Denninghoff, Autoexperte der Hypovereinsbank. Doch die Trennung hat auch positive Seiten: „Das Geschäft auf dem Höhepunkt zu verkaufen, ist sinnvoll“, sagt Denninghoff. Auch würde der Druck auf die Konzernspitze wachsen, die Autosparte schnell und grundlegend zu reformieren.

Im Kerngeschäft Auto fährt GM Milliardenverluste ein. Allein in den ersten drei Quartalen summierte sich das Minus auf sechs Mrd. Euro. Die Restrukturierung des Bereichs und drohende Belastungen aus der Insolvenz der ehemaligen Tochter Delphi kosten zusätzliche Milliarden. Das Geld aus dem Verkauf der GMAC-Mehrheit – die Branche rechnet mit zehn bis 15 Mrd. Dollar für einen 51-Prozent-Anteil – käme gerade recht.

GM-Boss Rick Wagoner räumte jedoch vor wenigen Tagen ein, dass die Suche nach einem strategischen Partner für die Finanzierungssparte schwierig ist. „Es ist alles andere als sicher, dass der Verkauf von GMAC eine abgemachte Sache ist“, sagte Wagoner. Die Krux für Investoren: GM möchte nicht nur einem hohen Erlös erzielen, sondern auch sein Geschäftsmodell erhalten: GMAC hat das automobile Kerngeschäft des Konzerns in der Vergangenheit mit günstigen Finanzierungen und Leasingverträgen unterstützt. GM will nun sicherstellen, dass der neue Investor dieses vergleichsweise unprofitable, aber für GM strategisch wichtige Geschäft fortsetzt.

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