Finanzvorstände
Die heimliche Macht

Einst galten sie als die grauen Mäuse, die Untergeordneten im Rahmen einer Unternehmensführung: die Finanzvorstände. Doch selten wurden so viele CFO ausgetauscht wie jüngst - ein deutliches Zeichen, dass die Zeiten der grauen Mäuse vorbei sind.

DÜSSELDORF. Ein Mann, der als Finanzmanager schon alles erlebt hat, sich nun auf den Ruhestand vorbereitet, sein Ferienhaus in Kitzbühel und die Ruhe auf dem Golfplatz genießt – und schon 60 Jahre alt ist. Würden Sie diesen Kandidaten in den Vorstand holen? Nein, hätte mancher Aufsichtsrat vor ein paar Jahren gesagt. Lasst uns einen jüngeren nehmen, der ist erfolgshungriger und steht wenigstens für zwei Amtsperioden zur Verfügung.

Doch inzwischen ist das anders. Der 60-jährige Lothar Lanz ist begehrt. Der ehemalige Finanzchef von Pro Sieben Sat 1 tritt ab Mai im Vorstand des Medienkonzerns Axel Springer („Bild“, „Welt“) an, wo er sich um die Zahlen kümmern soll.

Mit seinem Alter ist Lanz nicht idealtypisch für die zahlreichen Manager, die in jüngster Vergangenheit zu neuen Finanzvorständen ernannt wurden: bei der Post, bei der Telekom oder Thyssen-Krupp. Aber er verkörpert genau das, was in Zeiten der Krise händeringend gesucht wird: jemand, der Erfahrung mitbringt, Glaubwürdigkeit verkörpert und der die Ziele des Unternehmens klar kommunizieren kann.

„Reine Zahlenakrobaten haben in den Konzernen keine Chance mehr“, sagt Armen Simon, der sich bei der Personalberatung Spencer Stuart auf die Suche neuer Finanzvorstände spezialisiert hat. „Moderne Finanzvorstände müssen starke Kommunikatoren sein und die Konzernstrategie entscheidend mitgestalten.“

Jemand wie Alan Hippe. Es lag stark an dem Conti-Finanzvorstand, dass der Konzern seinerzeit die Übernahme des Autozulieferers VDO über die Bühne brachte. Der finanzielle Kraftakt gelang auch deshalb, weil Hippe, der als präziser Formulierer bekannt ist, großes Ansehen am Kapitalmarkt genießt. Das entging auch Thyssen-Krupp nicht: Der 42-Jährige, der noch die Pkw-Reifensparte und die gesamte Gummisparte von Conti leitete, fängt ab April als neuer Finanzvorstand bei dem Stahlkonzern an.

Hippe steht für einen neuen Typus von Finanzvorständen. Sie müssen immer mehr Risiken im Blick haben, von Währungsschwankungen bis zu globalen politischen Unsicherheiten. Und sie müssen trotz Wirtschaftsabschwung und Kreditkrise dafür sorgen, dass genug Geld in der Kasse ist. Noch nie waren sie so wertvoll und mächtig wie heute.

„Sie sind die Sparringspartner der Konzernchefs“, sagt Kajus Rottok, Partner der Personalberatung Ray & Berndtson in Frankfurt. Das gilt beispielsweise für den Amerikaner Lawrence Rosen. Der 51-jährige Finanzchef des Dialysekonzerns Fresenius Medical Care (FMC) tritt mit FMC-Chef Ben Lipps immer als eingespieltes Duo auf. Für Rosen hat sich das ausgezahlt: Zur Jahresmitte wechselt er als Finanzvorstand zur deutlich größeren Deutschen Post nach Bonn. Oder Margarete Haase, die als eine der wenigen Frauen den Sprung auf den Sitz des Finanzchefs geschafft hat: Sie geht im April zum Kölner Motorenhersteller Deutz.

Aber der Aufstieg an die Spitze läuft heute nicht mehr alleine nach dem alten Karriereschema ab: also vom Controller zum Abteilungsleiter Rechnungswesen und dann in den Vorstand – und das auch noch im selben Unternehmen oder zumindest in derselben Branche.

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