Firma will Schulden abbauen und Eigenkapital stärken
SGL Carbon schnürt großes Finanzpaket

Der hoch verschuldete Wiesbadener Kohlenstoff-Spezialist SGL Carbon hat umfangreiche Kapitalmaßnahmen beschlossen. Der Aufsichtsrat segnete ein Finanzierungspaket im Volumen von 830 Mill. Euro ab.

DÜSSELDORF. Das Paket besteht aus einer Kapitalerhöhung, einem syndizierten Kredit sowie einer Unternehmensanleihe. Vorstandschef Robert J. Koehler sagte dem Handelsblatt: „Wir können auf einen Schlag unsere Eigenkapitalbasis und unsere langfristige Finanzstruktur entscheidend verbessern.“

Die Aktie reagierte jedoch auf die geplanten Kapitalmaßnahmen zunächst mit Verlusten. Die Verunsicherung der Anleger ist immens. Vor einer Woche hatte die EU-Kommission gegen SGL Carbon die dritte – und damit letzte – Kartellstrafe innerhalb von zweieinhalb Jahren verhängt. Am Ende lag der Kurs aber mit 14 Euro im Plus.

Die Kapitalmaßnahmen fanden bei Analysten ein geteiltes Echo. Petra Meyer von Sal. Oppenheim begrüßte, dass die Hauptprobleme von SGL – langfristige Finanzierung und Kartellstrafen – geklärt seien. Andere kritisierten das Volumen des Finanzpakets. Die Größenordnung sei bei 310 Mill. Euro Börsenwert und 149 Mill. Euro Eigenkapital „nicht angemessen“, hieß es.

SGL Carbon hat für den 15. Januar 2004 eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, um die Zustimmung der Aktionäre zur Kapitalerhöhung zu erhalten. Ein Bankenkonsortium unter Führung der Credit Suisse First Boston (CSFB) und der Dresdner Kleinwort Wasserstein garantiert gemeinschaftlich die Platzierung von insgesamt 33 Mill. Aktien, die die Aktionäre zu einem Stückpreis von mindestens 6 Euro zeichnen können. SGL will durch die Kapitalerhöhung 200 Mill. Euro einnehmen.

Eine Unternehmensanleihe, die unter der gemeinsamen Führung von CSFB und der Deutschen Bank begeben wird, soll 300 Mill. Euro an Einnahmen bringen. Weitere 330 Mill. Euro werden dem Unternehmen durch einen neuen syndizierten Kredit mit einer Laufzeit von sechs Jahren zur Verfügung gestellt. Damit soll auch der Ende 2002 vereinbarte Kredit abgelöst werden, der eine Laufzeit bis Mai 2005 hat.

Am Ende des dritten Quartals war die Eigenkapitalquote von SGL Carbon auf bedenkliche 11 % geschrumpft. Zugleich drückten das Unternehmen Finanzverbindlichkeiten von 458 Mill. Euro. Vorstandschef Koehler hofft, dass „wir nach der Kapitalerhöhung eine Eigenkapitalquote von 20 Prozent haben werden“. Zudem verringere sich die Abhängigkeit von den Banken.

Da SGL Carbon jetzt langfristig finanziert sei, könne sich das Management „in Ruhe um das operative Geschäft kümmern“, meinte Koehler. Der Finanzrahmen sei groß genug, um eine Mitte 2005 fällig werdende Wandelanleihe in Volumen von 135 Mill. Euro abzulösen. Außerdem seien die Kartellstrafen abgedeckt. Insgesamt hat die Kommission Bußgelder von 131,6 Mill. Euro verhängt, weil das Unternehmen in den neunziger Jahren an einem verbotenen Preiskartell beteiligt gewesen sein soll. Gegen alle drei Bußgeldbescheide klagt SGL jedoch vor dem Europäischen Gerichtshof. Koehler rechnet damit, dass die Richter in den nächsten sechs Monaten über die erste und höchste Strafe vom Juli 2001 entscheiden werden. Erst nach einem Urteil muss SGL zahlen.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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