Firmencheck
Globalisierung rettet Firmen aus der Krise

Deutsche Konzerne erwirtschaften bereits zwei Drittel ihrer Umsätze im Ausland. In Einzelfällen macht der Anteil sogar bis zu 90 Prozent aus. Gerade dieser Exportfokus wirkt sich nun positiv aus, wie der Handelsblatt-Firmencheck zeigt: Weil in den Schwellenländern die Wirtschaft schon wieder brummt, starten viele Unternehmen jetzt durch.
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DÜSSELDORF. Deutschlands Konzerne forcieren ihre Globalisierung. Binnen eines Jahres steigerten die Industrie- und Dienstleistungsunternehmen in den vier wichtigsten Börsenindizes Dax, MDax, TecDax und SDax den Anteil ihrer Auslandsumsätze auf den Rekordwert von 66,2 Prozent. Die Industriefirmen in der zweiten Reihe erwirtschaften in der Fremde sogar bereits drei Viertel ihrer Erträge.

Vor allem bei den Beschäftigten wirkt sich dies aus. 57 Prozent der Angestellten arbeiten im Ausland. Vor zwei Jahren war es noch weniger als die Hälfte. Das belegt der Handelsblatt-Firmencheck, der in Zusammenarbeit mit dem Centrum für Bilanzierung und Prüfung (CBP) und dem Beratungsunternehmen Oliver Wyman entsteht. Vor 25 Jahren fuhren die Konzerne erst ein Drittel im Ausland ein. In vielen westlichen Industrieländern liegt der Anteil bei 50 Prozent.

„Die Firmen in der zweiten Reihe umschiffen dank ihrer enormen Auslandsanteile die Krise am besten, weil in den Schwellenländern die Konjunktur längst wieder anspringt“, sagt CBP-Direktor Karlheinz Küting. Unternehmen beispielsweise wie der Maschinenbauspezialist Gea, der Abfüllanlagenhersteller Krones und der Ausrüster Centrotherm erhöhten ihre ohnehin hohen Auslandsanteile auf über 85 Prozent.

Nach Ansicht des Oliver-Wyman-Beraters Thomas Kautzsch wird sich die Internationalisierung künftig noch verstärken. Denn nun ständen die vielen kleineren und hochspezialisierten Zulieferer vor der Wahl, den großen Konzernen der ersten und zweiten Reihe zu folgen. Verweigern sie sich dem Trend, werden sie von Zulieferern vor Ort abgelöst und geraten so ins Hintertreffen.

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  • Die im Artikel beschriebene Entwicklung wird an Dynamik gewinnen. Unternehmen, die diese Entwicklung verschlafen, gefährden ihre Existenz. Der Artikel vermittelt, dass negative Wirkungen auf den binnenarbeitsmarkt nicht entstanden sind, weil mit der Arbeit zeitgleich das Personal ausgewandert sei. Diese Zustandsbeschreibung muss kritische hinterfragt werden:

    1. Führt die quantitative Veränderung am Arbeitsmarkt (Nachzug des Personals mit der Arbeit) zu qualitativen Verschlechterungen im „Rest“ (sprich: erhöht sich der prozentuale Anteil schwer Vermittelbarer bzw. nach Arbeit Suchender)?

    2. Wenn die proportional konstante Verlagerung von Arbeit und beschäftigung zu Kostenvorteilen führen würde, wäre das ein wirtschaftliches Paradoxon, sofern abgewandertes Personal nicht fürderhin für Dritte-Welt-Löhne arbeitet. Die beschäftigung abgewanderter und Fachkräfte und zusätzlicher einheimischer billiglöhner würde die Produktivität senken und widerspräche gesundem Unternehmertum und lässt sich nicht widerspruchsfrei vermitteln.

    im interesse unserer Wettbewerbsfähigkeit sollten die Dinge so beschrieben werden, wie sie sind. Die global geleistete Arbeit wird global neu verteilt. Verteilungsgrundsatz ist die Gesamteffizienz aller Produktionsfaktoren – also auch die Kosten der beschäftigung. Aus der Tatsache, dass Handelsbilanzüberschüsse und –defizite die transnationale Verteilung der Arbeit beschreiben, müssen notwendige Schlussfolgerungen gezogen werden. Ländern mit Exportüberschuss werden unter Druck geraten, weil keine Regierung der eigenen bevölkerung dauerhaft ein extern geleistetes beschäftigungssaldo erklären kann. Den globalen Wettbewerbsherausforderungen kann nicht mit schuldenfinanzierte Nachfrage entgegnet werden. im Übrigen gehören Unternehmer ins Geschäft, statt in Asbestzellen (Quelle: Magazinsendung).

  • Am 12. Juli berichtete die Welt unter der Überschrift „Mehrheit der großen Unternehmen kämpft weiter ums Überleben“ über eine Studie von Ernst & Young, dass gerade Großunternehmen am stärksten vom Wirtschaftseinbruch nach der Lehman-Pleite betroffen waren. Jetzt sollen sie wieder Garant für die Stabilität der Nation sein?

    Dass es den Großunternehmen wieder besser geht, hat gute Gründe: Die Regierungen der führenden industriestaaten rund um den Globus haben mit historisch beispiellosem Aufwand Großbanken vor dem Untergang gerettet und auch so manchen Konzern in anderen branchen – man denke etwa an AiG und GM. Die Commerzbank musste gerettet werden, weil sie sich an der Dresdner bank verschluckt hatte und auch die Deutsche bank erhielt staatliche Hilfe auf Umwegen: Über die Postbank und auch durch die Rettung der HRE, deren Pleite sie besonders getroffen hätte.

    Die Konjunkturpakete, bürgschaften und Garantien waren in hohem Maße auf die Stabilisierung der global agierenden Großunternehmen gerichtet – so profitierten beispielsweise in besonderer Weise Opel oder auch Volkswagen von der Abwrackprämie vieler Staaten. Autobanken profitierten vom bürgschafts- und Garantieprogramm.

    Es ist also kein Wunder, wenn es gerade bei den Großunternehmen weltweit bergauf geht, auch wenn bedacht werden muss, dass es sich dabei um ein mit Staatsgeldern entfachtes Strohfeuer handeln könnte. Die fundamentalen Probleme vieler, von Großunternehmen geprägter globaler Märkte – Stichwort: enorme Überkapazitäten –, wurden zwischenzeitlich keineswegs behoben.

    Wenn die Krise nach der Lehman-Pleite also etwas gezeigt hat, dann wie sehr die Volkswirtschaften vom Segment der Großunternehmen abhängig sind und wie gefährlich dies ist. Staatsverschuldung ist keine Lösung, sondern ein neues Problem, wenn sie die Wirtschaft nicht nachhaltig stabilisiert.
    Die Krise ist noch nicht gebannt. Sie kann sich durchaus wieder verschärfen. Es erscheint deswegen dringend geboten, die Zeit zu nutzen und nach Möglichkeiten zu suchen, die hohe Abhängigkeit unserer Volkswirtschaft vom Segment der Großkonzerne zu reduzieren und nicht, wie der vorliegende Firmencheck suggeriert, sie mit einer Fortsetzung der Politik zugunsten von einseitig betriebener Kostensenkung, Megafusionen und „national Champions“ noch weiter auf die Spitze zu treiben.

  • Muß es denn immer die betrachtung der Kosten sein? Schön dass adidas in Asien produziert aber bei Herstellkosten für ein teures Paar Turnschuhe von unter 10€ stellt sich die Frage ob das immer mit (Menschen)rechten Dingen zu geht? ich würde mir wünschen, dass die Anstrengungen dahin gehen, Lösungen für Menschen und Unternehmen in diesem Land zu finden. Eine Umsatzrendite bei den angeprangerten Autoherstellern von 2% in der größten Rezession in der Nachkriegsgeschichte ist für mich eine positive Größe, die ich so nicht erwarten würde - ich würde Rekordverluste erwarten. Und bitte nicht vergessen, in Jahren als die Lage wesentlich besser war, wurde von den Herstellern eine Umsatzrendite von 6% angestrebt, aber lange nicht erreicht. Etwas mehr Differenzierung würde dem Artikel gut tun.

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