Firmengruppe Otto Bock
High-Tech für Menschen mit Handicap

Hans Georg Näder treibt es zu den Wurzeln. In der Köpenickerstraße 147 in Berlin-Kreuzberg fing sein Großvater Otto Bock vor 90 Jahren in der turbulenten Zeit nach dem Ersten Weltkrieg als „Start-up-Unternehmer“ mit dem Bau von Prothesen an.

BERLIN. Mitte Juni eröffnet Näder im Herzen der Hauptstadt das erste Science Center, das sich mit dem Thema Behinderung befasst.„Ich habe gelernt, dass Marketing nur funktioniert, wenn es authentisch ist“, sagt Näder. Der Unternehmer aus der Provinz schwärmt von dieser Stadt: „Berlin tut uns gut.“ Der Auftritt in der Metropole soll die Bekanntheit des Spezialisten für Orthopädietechnik aus dem niedersächsischen Duderstadt erhöhen.

In die Firmenzentrale kommen pro Jahr 12 000 internationale Besucher. Am Science Center am Potsdamer Platz gehen täglich 30 000 Menschen vorbei, hat Näder errechnen lassen.

Bislang eher Fachleuten und Patienten bekannt, setzte die Firmengruppe Otto Bock im vergangenen Jahr mit 4 300 Mitarbeitern fast eine halbe Mrd. Euro mit High-Tech-Prothesen, Rollstühlen und Schaumstoffen für die Autoindustrie um. 80 Prozent der Umsätze machen die Deutschen im Ausland.

Anerkennung kommt etwa vom Unternehmensberater Hermann Simon, für den Otto Bock ein „Paradebeispiel für einen heimlichen Weltmarktführer“ ist. Landesvater Christian Wulff (CDU) sieht in Näder einen „niedersächsischen Vorzeigeunternehmer“.

Näder treibt nicht nur die Historie des Familienunternehmens nach Berlin. Den Mittelständler aus dem katholischen Eichsfeld drängt es mit Macht an die Spree. Im 17. Stock des Beisheim Centers am Potsdamer Platz betreibt er als Firmen-Dependance eine komfortable Lounge. Nebenan residiert der 47-Jährige in einem schicken Apartment. Das Science Center liegt nur zwei Minuten entfernt.

Dort sollen die Besucher „begreifen können, was uns bewegt“. Wer seinen Arm auf einen multimedialen Tisch legt, sieht, welche Muskeln, Sehnen und Bänder an einer Drehung beteiligt sind – und wie eine High-Tech-Prothese dieselbe Bewegung vollzieht. Eine virtuelle Fahrt über den Pariser Platz im hydraulisch bewegten Rollstuhl veranschaulicht, was es heißt, nicht laufen zu können.

Die ersten drei der sechs Geschosse sind öffentlich zugänglich. Den Rest will Näder mit Partnern wie der Charité zum Beispiel für Fachveranstaltungen und Fortbildungen nutzen.

Im sechsten Stock können sich Patienten aus aller Welt von Spezialisten behandeln lassen. Im Keller wird eine orthopädische Werstatt eingerichtet.

Näders Ziel: Behinderung soll nicht tabuisiert werden. Der Unternehmer will zeigen, dass auch Menschen mit einem amputierten Bein dank moderner Prothesen das Leben beim Inline-Skaten oder Bergsteigen in vollen Zügen genießen können. Für Werbekampagnen lässt er Behinderte als Models wie in einer Modekampagne fotografieren.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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