Firmenjets
Vom Steigflug in die Notlandung

Sie sind teuer und mittlerweile sogar rufschädigend: Firmenjets sind in Krisenzeiten kaum noch gefragt. Die Branche muss den schärfsten Einbruch ihrer noch jungen Geschichte verkraften, tausende Arbeitsplätze sind in Gefahr. Doch die Krise kennt auch Gewinner.

NEW YORK/FRANKFURT. Kaum neun Monate ist es her, da balgten sich Modezar Ralph Lauren und Hunderte von Gefährten um einen neuen Privatjet vom Typ G650. Kostenpunkt: Knapp 60 Mio. Dollar. Wer auf die Orderliste für den bisher größten und schnellsten Flitzer von Gulfstream wollte, zahlte 500 000 Dollar vorab – obwohl die Flugzeuge nicht vor 2012 ausgeliefert werden.

Heute zeigt sich: Das Wettrennen der Reichen war der Wendepunkt einer Ära. Mittlerweile haben sich die teuren Privatflieger aus den „Must-Have“-Listen der Wirtschaft verabschiedet. Statt Bestellungen hagelt es nun Stornierungen.

Nach einem fünf Jahre langen Höhenflug müssen Hersteller und Betreiber von Privatjets den schärfsten Einbruch ihrer noch jungen Geschichte managen. Laut einer Studie der Bank UBS gab es im Dezember 2008 weltweit 19 Prozent weniger Flugbewegungen, nach einem 25-prozentigen Minus im November. Aus dem weltgrößten Flugmarkt USA werden gar Einbrüche von bis 40 Prozent vermeldet.

Etwa 1 400 neue Businessjets wurden im Vorjahr weltweit in Dienst gestellt. Viele von ihnen stehen jetzt am Boden, verkaufsbereit und nicht selten mit dem Preisschild „Fire Sale“ (Notverkauf) versehen. Auch in Europa: Jet Republic, ein junger Dienstleister für Geschäftsfliegerei, hat recherchiert, dass sich die Zahl der zum Verkauf gestellten Business-Flugzeuge in den zurückliegenden zwölf Monaten auf 310 mehr als verdoppelt hat.

Um das Ausmaß der Turbulenzen zu verstehen, reicht ein Blick in die Bücher des Luftfahrt- und Verteidigungskonzerns Textron. Das Unternehmen gehört mit den Marken Cessna und Bell (Helikopter) zu den weltweit führenden Herstellern von Privatjets. Einst war er ein Gipfelstürmer an den US-Börsen, jetzt ist der Aktienkurs von Textron nahezu 90 Prozent abgestürzt – unter anderem weil sich die Finanzierungstochter massiv im Commercial-Paper-Markt verspekulierte. Doch auch im Kerngeschäft Flugzeugbau verursacht die Krise heftige Schmerzen.

Nun will Textron 6200 Arbeitsplätze abbauen. Die Tochterfirma Bell bekam im Januar 2009 gerade einmal Aufträge für drei neue Helikopter, nach 40 Bestellungen im gleichen Zeitraum 2008. Auch die Businessjet-Einheit von Cessna hatte zuvor über einen Einbruch des Neugeschäfts und eine Welle von Stornierungen geklagt. Sie bescherten Textron im Schlussquartal einen Nettoverlust von 209 Mill. Dollar.

Im Zeitalter der Kreditkrise sind viele Finanzierungen für die bis zu 50 Mill. Dollar teuren Jets nicht mehr zu stemmen. In Russland etwa, einem aufstrebenden Markt für Privatjets, hat der Währungs- und Börsenkollaps die Pläne zahlreicher Käufer über den Haufen geworfen. Hinzu kommt: Viele Firmenchefs scheuen die Anschaffung von Privatjets in einer Phase, die von Massenentlassungen und enormer Unsicherheit über die weitere Entwicklung geprägt ist. Das PR-Fiasko der maroden US-Autokonzerne, deren Vorstandschefs kurz vor Weihnachten in Privatjets zum Bittgang nach Washington flogen, tat ein Übriges. Das Image der Firmenflieger ist derart schlecht, dass die Hersteller sich gezwungen sahen, teure Imagekampagnen zu starten (zum Artikel).

Seite 1:

Vom Steigflug in die Notlandung

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%