Firmenpatriarche schüren Finanzskandale: Wenn Top-Manager wie Fürsten regieren . . .

Firmenpatriarche schüren Finanzskandale
Wenn Top-Manager wie Fürsten regieren . . .

Mit Parmalat steht der vorläufig letzte Name auf einer langen Liste von Unternehmenspleiten und Bilanzskandalen, die in den vergangenen Jahren die Finanzwelt erschüttert haben.

DÜSSELDORF. Doch anders als der Kollaps des US-Unternehmens Enron, der Ende 2001 für ein regelrechtes Beben an den internationalen Aktien- und Anleihemärkten sorgte, reagieren die Börsianer auf die Katastrophenmeldungen aus Italien bislang erstaunlich gelassen. Der Unterschied zu damals ist, dass heute eine optimistische Grundstimmung vorherrscht. So „blenden“ die Investoren Negativschlagzeilen, wie sie der viertgrößte europäische Nahrungsmittelproduzent derzeit liefert, einfach aus, weil sie nicht zur eigenen Meinung passen – ein Phänomen, das den Verhaltensforschern unter den Kapitalmarktwissenschaftlern gut bekannt ist.

Dabei sieht alles danach aus, als würde der Fall Parmalat weit größere Dimensionen annehmen als Enron. Bei dem Energiehändler summierten sich am Ende die Luftbuchungen auf mehr als eine Milliarde Dollar. Gläubiger und Aktionäre des insolventen Unternehmens standen vor einem Schuldenberg von 13 Milliarden Dollar. Es folgte eine regelrechte Kettenreaktion, in deren Folge bei weiteren bekannten US-Unternehmen Manipulationen ans Tageslicht kamen. Trauriger Höhepunkt: Im Sommer 2002 gab der US-Telekommunikationsanbieter Worldcom zu, dass Gewinne in Höhe von rund vier Milliarden Dollar nur auf dem Papier standen – der bislang größte Bilanzbetrug der Wirtschaftsgeschichte.

Spätestens mit Ahold erreichte die Skandalwelle dann Europa. Unregelmäßigkeiten bei der US-Tochter führten im vergangenen Jahr beim niederländischen Handelskonzern zu einem Loch von zwei Milliarden Euro im Zahlenwerk.

Demgegenüber nehmen sich aus deutscher Sicht die kleinen und großen Betrügereien und Tricksereien am Neuen Markt à la Comroad und EM.TV geradezu bescheiden aus. Allenfalls die Bankgesellschaft Berlin, in deren Kassen im Jahre 2001 durch zweifelhafte Immobiliengeschäfte mehr als zwei Milliarden Euro fehlten, kann auf der „Skandalrangliste“ mithalten.

Angesichts der finanziellen Dimensionen, in denen es in allen genannten Fällen geht, fragen vor allem geprellte Anleger, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Auch wenn – wie jetzt im Fall Parmalat – der Versuch unternommen wird, die Hauptverantwortung an einer Person festzumachen, so zeigt die Erfahrung, dass es bei Pleiten und Skandalen dieser Größenordnung etliche Helfershelfer und Komplizen gibt. Dabei spielen die Hausbanken und Wirtschaftsprüfer oft genug eine zweifelhafte Rolle.

Die mit Parmalat vergleichbaren Fälle wie die Ende der achtziger/Anfang der neunziger Jahre zusammengebrochenen Mischkonzerne Polly Peck und Bond haben zudem gezeigt, dass die jeweiligen Gründer und Firmenpatriarche Nasil Adir bzw. Alan Bond sukzessive ein undurchsichtiges Firmengeflecht aufgebaut haben, in dem sie eine mehr oder minder große Heerschar von kleinen und abhängigen Mitwissern installiert haben.

Dazu kommt in fast allen Fällen Missmanagement, mangelnde Kontrolle und nicht zuletzt auch kriminelle Energie – oft auch eine Kombination aus allem. Dass bei den Unternehmenslenkern die moralische Hemmschwelle sinkt, resultiert dabei aus einem Übermaß an Selbstvertrauen und Optimismus. Egal, ob Enron, Worldcom oder Parmalat: Überall regierten die Mitglieder des Top-Managements wie Fürsten, deren Arroganz und Überheblichkeit alle Züge einer Hybris zeigten.

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