Firmensterben geht dennoch weiter
Eisenwaren und Werkzeug wieder gefragt

Großunternehmen wie EDE und Würth stärken ihre Marktposition. Steigende Stahlpreise halten die Branche in Atem

DÜSSELDORF. Die Nachfrage nach Bauausrüstungen und Werkzeugen für Handwerker und Industriebetriebe zieht wieder an – nach neun flauen Jahren. „In der zweiten Jahreshälfte rechnen wir für die Branche mit einem Zuwachs von bis zu zwei Prozent“, sagte Hans-Jürgen Adorf, Chef von Deutschlands größtem Hartwaren-Einkaufsverbund EDE, über den 929 Großhändler ihre Ware beschaffen. Marktführer Würth bestätigt dies. In Deutschland habe das Geschäft endlich wieder Fahrt aufgenommen, sagt ein Sprecher. Nach langer Zurückhaltung investierten viele Gewerbebetriebe erneut in ihre Ausstattung, heißt es freudig in der Branche.

Doch das Firmensterben unter den Hartwarenhändlern, die rund drei Viertel ihres Umsatzes mit dem Innenausbau von Häusern erzielen, geht vorerst weiter. Während marktbeherrschende Familienunternehmen wie das 1931 in Wuppertal gegründete Einkaufsbüro Deutscher Eisenhändler (EDE) oder Würth im schwäbischen Künzelsau ihre Stellung kräftig ausbauten, bleiben kleine Betriebe im so genannten produktionsverbindenden Handel zunehmend auf der Strecke.

Kein Wunder. Allein in den vergangenen fünf Jahren schrumpfte das Handelsvolumen der Branche in Deutschland um ein Drittel. „Jedes Jahr verschwinden drei bis vier Prozent unserer Kunden vom Markt“, berichtet EDE-Chef Adorf, „davon die Hälfte aus Finanzproblemen.“

Selbst große Handelsorganisationen blieben von der Krise nicht verschont. Die börsennotierte Hagener Verbundgruppe Nordwest Handel AG, mit einem Geschäftsvolumen von 2,01 Mrd. Euro kaum kleiner als der Wettbewerber EDE, sackte 2002 in die roten Zahlen und schaffte im vergangenen Jahr gerade einmal eine schwarze Null. 2004 rechnen die Hagener mit einem Einbruch des Geschäfts um weitere 9 %.

Trotz Konjunkturbelebung machen vielen Betrieben die stark gestiegenen Stahlpreise zu schaffen, hervorgerufen durch den Wirtschaftsboom in China. Schon im zweiten Halbjahr 2003 seien die Preise um 8 % geklettert, heißt es beim EDE. Einige Schraubensortimente hätten sich sogar um 20 % verteuert. Großhändler, die mit ihren Endkunden feste Abnahmepreise vereinbart haben, gerieten nun massiv in Bedrängnis.

Auch die rasante Expansion von Würth setzt viele unter Druck. Die Schwaben, die in Deutschland inzwischen mit 90 eigenen Niederlassungen vertreten sind, haben allein im vergangenen Jahr über 1 500 neue Außendienstmitarbeiter angeheuert. Mit ihrer Hilfe soll der Umsatz 2004 um 10 % zulegen.

Um dem mächtigen Wettbewerber die Stirn zu bieten, zieht EDE-Chef Adorf nun nach. Die Wuppertaler Einkaufszentrale liefert, falls ihr Kunde dies verlangt, die bestellte Ware direkt an den Endabnehmer – binnen 24 Stunden und mit dem Firmenlogo des Händlers vor Ort. „Wenn die Mittelständler ihre Logistik, EDV, Lieferantenverhandlungen und Katalogproduktionen an uns outsourcen“, glaubt Adorf, „können sie gegenüber Würth mithalten.“

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