Firmenübernahmen
Inder umschwärmen westliche Chemiekonzerne

In der Chemiebranche deutet sich die nächste Konsolidierungsrunde an. Dieses Mal dürften Akteure aus Asien und Arabien den Ton angeben. Das deutlichste Signal liefert der indische Energie- und Chemiekonzern Reliance Industries mit einer milliardenschweren Offerte. Warum Chemie-Assets von West nach Ost wandern werden.
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FRANKFURT. Das M&A-Geschehen im Chemiesektor kommt nach einjähriger Pause allmählich wieder in Schwung. Das deutlichste Signal senden nicht etwa etablierte Großchemie-Konzerne oder Private-Equity-Fonds, sondern der indische Energie- und Chemiekonzern Reliance Industries mit seiner Offerte für die insolvente Lyondellbasell-Gruppe. Aus einem solchen Deal, für den Reliance nach Schätzungen aus Branchenkreisen zehn bis zwölf Milliarden Dollar aufbringen müsste, könnte ein neuer globaler Petrochemie-Konzern entstehen.

Viele Branchenfachleute gehen davon aus, dass es dabei kaum bleiben wird, sondern weitere Chemie-Assets von West nach Ost wandern werden. "Wir erwarten weiterhin steigendes Interesse von strategischen Investoren aus dem mittleren Osten, Asien (speziell China) und Russland", heißt es in einer Studie, die jüngst von der Deutschen Bank publiziert wurde.

Mehrere Faktoren treiben den Wandel: zum einen die starke Abhängigkeit der Petrochemie-Hersteller vom Rohstoff Erdöl oder Erdgas. Vor allem arabische Konzerne arbeiten intensiv daran, ihren Kostenvorteil auf der Rohstoffseite im Chemiegeschäft stärker auszuspielen.

"Für Hersteller ohne Zugang zu günstigen Rohstoffquellen dürfte es daher extrem schwierig werden. Sie müssen entscheiden, ob sie sich in Richtung Bohrloch bewegen oder ob sie ihre Geschäft in spätere Stufen der Wertschöpfungskette ausbauen", sagt Eric Chapman, Chemie-Experte der Beratungsgesellschaft Accenture. Das gilt inzwischen auch für wesentliche Teile des Kunststoffgeschäfts und viele chemische Zwischenprodukte. Bayer-Chef Werner Wenning machte jüngst deutlich, dass der Zugang zu günstigen Rohstoffen die wichtigste strategische Herausforderung für die Kunststofftochter Bayer Material Science (BMC) ist.

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