First Solar
Die Solarbranche hofft auf China

Branchenführer First Solar verlagert seinen Fokus von Deutschland nach Asien und Nordamerika. Denn Konzernchef Rob Gillette erwartet, dass der deutsche Markt 2011 deutlich schrumpft. Impulse dagegen sollen aus China kommen, doch das Unternehmen ist vorsichtig.
  • 1

FRANKFURT. Der weltgrößte Solarkonzern First Solar will seine Marktposition ausbauen und die Fertigung nahezu verdoppeln. Bis zum Jahr 2012 wollen die Amerikaner ihre Produktionskapazität von 1,4 Gigawatt auf 2,7 Gigawatt erhöhen. Sie können damit fast ein Fünftel des Weltmarkts abdecken, deutlich mehr als jeder Konkurrent. Geplant seien neue Werke und Fertigungslinien in Asien, Frankreich und Deutschland, sagte Vorstandschef Rob Gillette dem Handelsblatt.

Auch wenn First Solar den Standort in Frankfurt (Oder) ausbaut, die Abhängigkeit vom deutschen Markt will Gillette verringern. "Im nächsten Jahr wird für uns Nordamerika der größte Markt. Bisher war Deutschland für uns die Nummer eins."

Derzeit verdient der Weltmarktführer jeden zweiten Dollar seines Umsatzes in Deutschland, vor einem Jahr waren es sogar 70 Prozent. "Der Anteil des deutschen Marktes wird Ende kommenden Jahres nur noch bei 25 bis 30 Prozent vom Umsatz liegen", kündigte der Chef des Konzerns an, der 2009 einen Umsatz von 2,1 Mrd. Dollar erreichte.

Wie First Solar verlagern deutsche Unternehmen ihren Umsatz zunehmend ins Ausland. So verzeichneten Solarworld, Aleo Solar und Phoenix Solar zuletzt kräftige Zuwächse außerhalb ihres Heimatmarktes.

Einige Unternehmen verloren jedoch auch Marktanteile an die chinesischen Konkurrenten Suntech und Yingli, die mit Billigpreisen punkteten. Der Wettbewerb belastet auch First Solar, das seine Preise wiederholt nach unten anpasste. Der US-Konzern hat aber Kostenvorteile, da er auf die günstigere Dünnschicht-Technik setzt, die nicht den teuren Grundstoff Silizium benötigt. Solarworld und die Chinesen produzieren Silizium-Module.

Grund für die Verlagerung des Umsatzes ins Ausland sind Einschnitte bei der Solarförderung und bessere Konditionen auf anderen Märkten. Mit dem Jahreswechsel werden die Zuschüsse für die Stromerzeugung aus Sonnenkraft zwischen Passau und Flensburg um 13 Prozent zurückgefahren. First-Solar-Chef Gillette erwartet daher, dass der deutsche Markt nach einem "phänomenalen Wachstum in diesem Jahr auf 6 500 bis 7 000 Megawatt" 2011 deutlich schrumpfen wird.

Experten schließen nicht aus, dass die Bundesregierung die Förderung stärker kürzen könnte. In Berlin wird eine Deckelung diskutiert. Ab einer bestimmten Gesamtleistung würden neue Solarprojekte dann nicht mehr gefördert. Angesichts dieser Gefahr gab Gillette keine Prognose für 2011. Zu unsicher sei die Lage. "Dadurch könnte der Druck auf die Modulpreise steigen."

Seite 1:

Die Solarbranche hofft auf China

Seite 2:

Kommentare zu " First Solar: Die Solarbranche hofft auf China"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • ist da ein Rechenfehler im Artikel? First Solar könne ein Fünftel des Weltmarktes abdecken, heißt es. Fünf mal 2,7 ist rund 13 GW. Das entspricht dem Weltmarkt von 2010. Die 2,7 beziehen sich aber auf 2012. Der Weltmarkt dürfte dann größer sein. Denn es wäre ja komisch, wenn alle Hersteller ihre Produktion jetzt stark ausbauen, der Weltmarkt aber gleich groß bleibt.
    Zweifelhaft ist im Artikel die Angabe, Solarworld würde im Export zulegen. Die aktuelle Exportquote von Solarworld ist geringer als 2008, zumindest steht es so in den Quartalsberichten. Natürlich ist sie etwas gestiegen im dritten Quartal im Vergleich zum zweiten, weil es Vorzieheffekte gab. Aber unter dem Strich, im längerfristigen Trend, ist die Exportquote von Solarworld und Co. zurückgegangen.
    Gut wäre gewesen, wenn im Artikel konkretere Zahlen genannt worden wären. Wachstum in Frankreich? Dieser Markt wird offensichtlich bald auf rund 500 MW pro Jahr gedeckelt. Da ist prozentual vielleicht viel Wachstum möglich, absolut aber nicht. Der deutsche Markt ist zumindest aktuell noch mehr als zehnmal so groß. Der italienische Markt ist ebenfalls gedeckelt. Wie lange dort das Wachstum noch anhält ist zweifelhaft.
    interessant war, als kürzlich im ZDF in WiSo dargelegt wurde, dass auch die Module von Solarworld Schwermetalle enthielten, das Unternehmen diese aber nur entfernen möchte, wenn es dazu eine gesetzliche Pflicht gibt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%