First Solar
Politiker setzen auf eine Übergangslösung

Das US-Unternehmen First Solar zieht sich aus Deutschland zurück und schiebt das auf die gekürzte Solarförderung. Die Landesregierung setzt auf eine Auffanglösung. Die IG Metall fordert einen Plan für die Zukunft.
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Berlin/Frankfurt (Oder)/PotsdamNach dem Rückzug des Solarmodulherstellers First Solar aus Frankfurt (Oder) setzt die Landesregierung in Brandenburg auf eine Auffanglösung für die Beschäftigten. 1200 Stellen drohen wegzufallen. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) kündigte am Mittwoch an, der US-amerikanische Konzern First Solar wolle sich an einer Transfergesellschaft beteiligen. Darin könnten Beschäftigte auf neue Stellen vermittelt werden und für eine Übergangszeit weiterhin Geld bekommen.

Platzeck sagte nach dem Treffen mit dem Konzernchef, die Entscheidung sei angesichts der jahrelangen guten Zusammenarbeit für ihn überraschend gekommen. „Wir haben gesagt, dass das so nicht geht.“ Immerhin gehe es um 1200 Menschen, die ihren Arbeitsplatz verlieren. „Viele von denen sind erst vor wenigen Monaten in die Region gezogen mit der Eröffnung der zweiten Fabrik von First Solar.“ Mit dem Unternehmen sei nun vereinbart worden, dass bis zum 31. Oktober die Produktion laufe. Auch werde gemeinsam nach Investoren gesucht. Es handle sich immerhin um eine nagelneue Fabrik mit besten Rahmenbedingungen, sagte Platzeck.

Indes forderte auch die IG Metall eine Zukunftsstrategie für das First-Solar-Werk in Frankfurt (Oder) und nennt die angekündigten Stellenstreichungen einen „sozialpolitischen Skandal“. „Die können sich nicht einfach aus der Verantwortung stehlen“, so. der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Ostbrandenburg, Peter Ernsdorf.

Die Gewerkschaft sei von der angekündigten Streichung von 1200 Arbeitsplätzen völlig überrascht worden. Bei den Beschäftigten von First Solar sei die Stimmung „unter aller Kanone“. Mit dem Betriebsrat sei die Gewerkschaft in Kontakt. „Wir haben ihnen alle Unterstützung angeboten.“ Es gehe jetzt auch um Gespräche mit anderen Solarunternehmen in Ostbrandenburg - zum Beispiel mit Odersun, die einen Insolvenzantrag gestellt hat. An diesem Freitag sei ein Treffen von IG Metall und First-Solar-Vertretern geplant - die Zusammenkunft sei schon anberaumt gewesen, bevor die Schließung der Produktionsstätten in Frankfurt (Oder) bekannt wurde, so Ernsdorf.

Der Bezirksleiter der Gewerkschaft in Berlin-Brandenburg-Sachsen, Olivier Höbel, forderte, im Interesse der Beschäftigen müssten sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen. Die Unternehmensleitung müsse auch alle Fördermöglichkeiten der Bundesagentur für Arbeit nutzen. „Der maximale Kurzarbeitszeitraum ist noch lange nicht erreicht“, sagte Höbel. Bereits seit 1. März sind die Mitarbeiter in Kurzarbeit.

Unterdessen sehen die Grünen die Schuld für den Rückzug des US-Unternehmens aus Deutschland bei der Bundesregierung: „Dank Rösler und Röttgen wird die zweite Deindustrialisierung Ostdeutschlands erfolgreich in die Wege geleitet“, sagte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin der „Berliner Zeitung“ (Mittwoch). Der Bundesvorsitzende seiner Partei, Cem Özdemir, sagte, wenn künftig vom Staat unterstützte chinesische Unternehmen die Module lieferten, die bisher aus Frankfurt (Oder) kamen, liege das an den ständig veränderten Förderbedingungen.

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  • Das EEG hat einen künstlichen Markt geschaffen. Mit Hilfe der Subventionen sollte den Unternehmen die notwendige Zeit gegeben werden sowohl die Technik zu verbessern als auch die Produktionskapazitäten auszubauen um Netz Parität zu erreichen. Diese wäre in ca. 3 Jahren zu erreichen gewesen. Sprich Solarstrom wäre in 3 Jahren ohne jedwede Förderung wettbewerbs fähig gewesen bei gleichzeitiger dezentralisierung des Strommarkts. Aufgrund der Politik von Herrn Rößler ist dieser Markt entweder absichtlich oder aus schlichter Inkompetenz zusammengebrochen, eine sogenannte HighTech Technology für Deutschland verloren und etliche tausend Arbeitnehmer bereits oder bald arbeitslos. Nebenbei liegt der Lohnkostenanteil bei der Produktion von Solarmodulen bei ca. 5% da genau in dieser Branche eine hohe Automatisierung Standard ist. Aus diesem Grund war der Solarmarkt gerade für Deutschland sehr interresant. Man sollte auch nicht vergessen welche Umsatzeinbußen die lokalen Zulieferer zu verzeichnen haben.

  • @kit
    1. Deutschland ist kein Solarland und wird auch keins werden!!!
    2. Ich habe als Prüfer schon über 20 Solarparks abgenomme, in keinem waren deutsche Module verbaut. Fragt mal die Parkbetreiber, warum wohl.

  • Wenn ein unternehmen nur mit Subventionen am leben gehalten werden kann , ist was nicht in Ordnung .
    Die Solarindustrie hat sich auf den Zuschuss verlassen , vielleicht sogar in die Kalkulation mit einfließen lassen , zum schaden des Verbrauchers und des Steuerzahlers .
    Solar ist in Deutschland ohne Zukunft , je früher das erkannt wird,je mehr schaden lässt sich abwenden .

    Recht so !

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