Fischertechnik, Lego und Playmobil
Kinderkram für Erwachsene

Das Spielzeug verlässt das Kinderzimmer: Viele Unternehmen lassen ihre Ingenieure mit Fischertechnik, Lego und Playmobil experimentieren. Von der Produktionsanlage bis zur Synchronisierung eines Solarmoduls lässt sich vieles mit Spielzeug simulieren - und das meist günstiger als mit den Modell-Kästen der Industrie.

STUTTGART/MÜNCHEN. Es ist wieder die Zeit der großen Augen. Wie immer im Advent drücken sich Scharen von Kindern an den Schaufenstern der Spielwarengeschäfte die Nasen platt - auf dass das Christkind möglichst viel davon bringen möge. Wenn sie sich da mal nicht täuschen. Denn immer öfter landen Spielwaren nicht im Kinderzimmer, sondern kommen in Schulen, Unis und sogar der Industrie zum Einsatz.

Studenten an der Hochschule Ravensburg-Weingarten raucht der Kopf. "Wie lässt sich die Instandhaltung einer Produktionsanlage automatisiert über ein SAP-System steuern?", lautet die Seminar-Aufgabe. Aus Fischertechnik-Baukästen erstellen die Studenten eine Produktionsanlage und schließen sie an einen Industrie-PC an. Während das Modell reale Daten liefert, programmieren sie eine Steuerungssoftware. "Das ist keine Spielerei", sagt Professor Andreas Paczynski. "Wir können so kostengünstig die Realität abbilden." Fischertechnik sei ideal für den Aufbau und koste nur ein Zehntel der Modell-Kästen aus der Industrie wie etwa vom Maschinenbauer Festo. Der neueste Baukasten von Fischer mit Pneumatik und Vakuumtechnik kostet ab 160 Euro.

Selbst im Job lässt Fischertechnik gestandene Ingenieure nicht mehr los. Christian Hehr von Astrium simuliert in Friedrichshafen mit Hilfe von Fischertechnik die mechanische Synchronisierung zum Ausklappen eines Solarmoduls für einen Satelliten. "Ich hab schon als Kind mit Fischertechnik gespielt. Vielleicht bin ich deshalb Ingenieur geworden", sagt der heute 35-Jährige.

Fischertechnik gibt es seit 1964. Der legendäre Dübel-Erfinder Artur Fischer hatte es einst als Weihnachtsgeschenk für Kinder von Geschäftspartnern entwickelt. Schon immer wollte der Senior auch bei Kindern Begeisterung für Technik entfachen. Den Spielzeuggeschäften ist Fischertechnik längst entwachsen. Seit den 80er-Jahren lassen sich Modelle von Fischer-Technik mit Computern steuern. Zwischenzeitlich etwas in der Versenkung verschwunden, sind die Baukästen wieder fester Bestandteil im Technikunterricht an Schulen, Berufsschulen und auch Hochschulen. "Nur noch die Hälfte des Umsatzes erzielen wir in Spielzeugläden", räumt Fischertechnik-Chef Marcus Keller ein. Allerdings nennt das inzwischen von Klaus Fischer geführte Gesamtunternehmen mit zuletzt 550 Mio. Euro Umsatz keinen Einzelumsatz für seine Spielzeugsparte. Sie arbeite nicht mehr mit Verlust, ist den Schwarzwäldern nur zu entlocken.

Seite 1:

Kinderkram für Erwachsene

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%