Fitness
Die Hantel hat ausgedient

Aufregender, schöner, komfortabler: Mit Einfallsreichtum erschließen die Hersteller von Sportgeräten neue Zielgruppen. Stumpfes hanteln und strampeln ist nicht mehr gefragt. Moderne Fitness-Fans trainieren mit Stil - und schaffen einen neuen Millionenmarkt.

KÖLN. Der junge Mann tritt kräftig in die Pedale, kämpft mit der Geröllpiste. Jeder Stein erschüttert seinen verschwitzen Körper. Nach einer halben Stunde Training steigt er vom Fahrrad - ohne einen einzigen Schlammspritzer an den Beinen.

So sieht sie aus, die schöne neue Fitness-Welt: Was sich anfühlt wie eine wilde Mountainbike-Tour, ist bloß eine Indoor-Fahrt auf dem "Enforbike". Der Gelsenkirchener Hersteller Enformax will mit dem neuartigen Ergometer ab September in die deutschen Fitness-Studios rollen. Eine patentierte Impulstechnik rüttelt an den Pedalen, ein Bildschirm am Lenker simuliert wie in einem Videospiel die Strecke in TV-Qualität. "Durch die Vibrationen werden die Muskeln ganz anders beansprucht", sagt Erfinder Dieter Quarz. Das Bike biete ein realistisches Fahrgefühl und ein "bis zu zehn Prozent besseres Trainingsergebnis."

Ödes Strampeln, Laufen und Gewichtestemmen ist out. Innovative Fitnessgeräte bieten mehr: "Inzwischen geht es darum, neben den Trainingserfolgen auch das ganze Trainingserlebnis zu optimieren", sagt eine Sprecherin des US-Sportgeräteproduzenten Nautilus, der Nummer drei im Markt. Um den Weg in die Orderbücher der angesagten Fitnessketten zu finden, müssen sich die Hersteller abheben: Manche bauen Geräte, die das Training besonders aufregend machen, andere versuchen, mit einzigartigem Design oder Komfort neue Zielgruppen anzusprechen und langfristig ans Studio zu binden.

Es geht um erhebliche Investitionssummen: Ein Enforbike kostet 15000 Euro - so viel wie ein Opel Corsa in Vollausstattung. Auch Nautilus setzt auf Simulationstechnik und stattet seine Trimmräder mit einer Magnettechnik aus, die angeblich für ein authentischeres Fahrgefühl sorgt.

Als "aufregend" bewirbt die kalifornische Firma Marpo Kinetics ihr Produkt: ein schlicht aussehender Apparat zum Seilklettern. "Unsere Rope Climber passen auch in Studios mit niedrigen Decken", sagt Verkaufsleiter Tetsu Okano. Vor allem an Kampfsportler und klassische Kraftpumper richtet sich das Gerät, das seit April auf dem deutschen Markt ist. Okano, der als Judoka selbst auf das Seilklettern als Oberkörperübung schwört, erklärt das Prinzip: Entweder im Sitzen, Liegen oder Stehen zieht der Sportler an einem Seil, das durch eine kleine Box führt. Sie regelt den Widerstand - und passt ihn dem Kraftaufwand des Trainierenden an. "Mit dem Rope Climber erreicht man ein ganz neues Klientel", sagt Okano. In den USA nutzen neben Muckibuden auch Krankenhäuser und das Militär die Geräte.

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