Fixvergütungen für Pötsch und Kollegen VW-Aufsichtsrat streicht sich selbst den Bonus

Für den Vorstand hat der Aufsichtsrat von Volkswagen unlängst eine Obergrenze bei der Vergütung beschlossen. Jetzt spart er bei sich selbst. Doch der Verdienst von Chefaufseher Pötsch kann sich immer noch sehen lassen.
Update: 09.03.2017 - 16:58 Uhr Kommentieren
Der VW-Aufsichtsratschef und seine Kollegen erhalten künftig ein Fixgehalt. Quelle: dpa
Hans Dieter Pötsch

Der VW-Aufsichtsratschef und seine Kollegen erhalten künftig ein Fixgehalt.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDer Volkswagen-Konzern muss wegen der Dieselaffäre sparen. Nachdem der Aufsichtsrat eine Obergrenze für die Vorstandsvergütungen beschlossen hat, sparen die Aufseher nun bei sich selbst: Den Aufsichtsratsmitgliedern wird einem Bericht der „Bild“ zufolge der Bonus komplett gestrichen.

VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch bestätigte der Zeitung die Änderung: „Die VW-Aufsichtsräte zählten in der Vergangenheit mit zu den Spitzenverdienern im Dax“, wird Pötsch zitiert. „Die Systematik war aber nicht mehr marktüblich. Deshalb haben wir es überarbeitet.“

Pötsch bekommt für den Vorsitz des Aufsichtsratspräsidiums 100.000 Euro extra, damit erhält er rund 400.000 Euro im Jahr. Der frühere Volkswagen-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch kassierte dem Bericht zufolge 2014 noch deutlich mehr als eine Million Euro, davon seien fast 90 Prozent Bonus gewesen. „Zuvor war der variable Anteil sehr hoch. Dieser wurde nun abgeschafft“, sagte Pötsch dem Blatt. „Jeder hat verstanden, dass wir uns da verändern müssen.“

Künftig bekommt ein normales Aufsichtsratsmitglied nach Angaben des Sprechers ein Festgehalt von 100.000 Euro, der Aufsichtsratsvize erhält 200.000 Euro. Für eine Tätigkeit in einem der Ausschüsse und im Präsidium des Gremiums gibt es noch einmal jeweils 50.000 Euro.

Bisher setzen sich die Bezüge des Aufsichtsrats aus einer festen Vergütung zusammen sowie einer veränderlichen Vergütung, die von der Höhe der gezahlten Dividende abhängig ist. Die Hauptversammlung muss den Änderung noch zustimmen, dies gilt als sicher.

Zuvor hatte der Aufsichtsrat bereits die Bezüge der VW-Vorstände gedeckelt. Für die Top-Manager gilt nach dem Abgasskandal und massiver öffentlicher Kritik künftig eine Obergrenze bei den Gehältern. Der Vorstandschef soll künftig höchstens 10 Millionen Euro im Jahr verdienen, die Vorstandsmitglieder maximal 5,5 Millionen Euro. Neben den Obergrenzen sieht ein neues Vergütungssystem vor, dass die Kriterien für die variable Vergütung, darunter umstrittene Bonuszahlungen, verschärft werden.

Für wen sich Kontrolle besonders auszahlt
Platz 10: Manfred Bischoff, Daimler
1 von 10

Der Vorsitzende des Daimler-Aufsichtsrats Manfred Bischoff bildet das Schlusslicht unter den Top Ten der Chefkontrolleure in Dax-Konzernen. Zumindest was den Verdienst betrifft. Am Hungertuch nagt er aber vermutlich trotzdem nicht.

Vergütung in 2016: 448.000 Euro

Quelle: Prognose der Vergütung für 2016 von Willis Towers Watson

Platz 9: Karl-Ludwig Kley, Eon
2 von 10

Der ehemalige Merck-Chef ist seit dem 8. Juni Kopf des Eon-Aufsichtsrates, die Berechnung der Vergütung wurde im Ranking der besseren Vergleichbarkeit halber aber für ein volles Jahr angenommen. Kley würde demnach in diesem Jahr drei Prozent mehr Geld als sein Vorgänger Werner Wenning verdienen.

Vergütung in 2016: 454.000 Euro

Platz 8: Hans Dieter Pötsch, Volkswagen
3 von 10

Hans Dieter Pötsch, Chef des VW-Aufsichtsrates, steht wegen der Dieselaffäre in der Kritik. Für seine Kontrolltätigkeit bekommt er eine feste Vergütung in Höhe von „nur“ 18.000 Euro. Die Tantiemen machen den Unterschied: 457.500 Euro kassierte der oberste Volkswagen-Aufseher 2016. Hinzu kommen noch Sitzungsgelder in Höhe von 7.000 Euro für die Arbeit in Plenum und im Ausschuss.

Vergütung in 2016: 482.500 Euro

Platz 7: Jürgen Hambrecht, BASF
4 von 10

Der ehemalige Vorstandschef des Chemiekonzerns BASF steht seit Mai 2014 dem Aufsichtsrat des Unternehmens vor. Seitdem zählt er auch zu den Spitzenverdienern unter den deutschen Aufsichtsräten. Bei Hambrecht greift eine Begrenzung der Tantiemen auf 300.000 Euro, trotzdem stieg die Vergütung im Vergleich zu 2015 um 5 Prozent.

Vergütung in 2016: 504.500 Euro

Platz 6: Norbert Reithofer, BMW
5 von 10

210.000 Euro feste Vergütung, 380.500 Euro aus langfristiger Vergütung, dazu 10.000 Euro Sitzungsgeld. Macht nach Adam Riese? Genau, fünf Prozent mehr Geld, als 2015. Damals übernahm Norbert Reithofer den Posten als Aufsichtsratsspitze bei BMW.

Vergütung in 2016: 600.500 Euro

Gerhard Cromme, Siemens
6 von 10

Eine feste Vergütung gibt es bei Siemens nicht, Aufsichtsratschef Cromme kassiert allerdings eine Langfristvergütung von 280.000 Euro. Dazu kommt mit 48.000 Euro das höchste Sitzungsgeld aller Dax-Aufsichtsräte.

Vergütung in 2016: 608.000 Euro

Werner Brandt, ProSiebenSat.1 und RWE
7 von 10

Der ehemalige SAP-Finanzvorstand Werner Brandt ist gleich doppelt aufmerksam: Als Aufsichtsratschef überwacht er hauptverantwortlich sowohl den Medienkonzern ProSiebenSat.1 als auch den Energieversorger RWE. Beide Dax-Konzerne entschädigen das überaus ordentlich.

Vergütung ProSiebenSat.1 in 2016: 325.000 Euro

Vergütung RWE in 2016: 300.000 Euro

Gesamtvergütung in 2016: 625.000 Euro

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • td
  • dpa
Startseite

Mehr zu: Fixvergütungen für Pötsch und Kollegen - VW-Aufsichtsrat streicht sich selbst den Bonus

0 Kommentare zu "Fixvergütungen für Pötsch und Kollegen: VW-Aufsichtsrat streicht sich selbst den Bonus"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%