Flächentarif in Frage
VW Sachsen verlässt Arbeitgeberverband

Nach einem Streit über Tarifabschlüsse ist Volkswagen aus dem sächsischen Arbeitgeberverband VSME ausgestiegen. Eine «vertrauensvolle Zusammenarbeit» sei nicht mehr möglich, heißt es in einem Bericht.

HB BERLIN. Die sächsischen Werke des Volkswagen-Konzerns |VOW 34,32 0,53%| steigen aus dem Arbeitgeberverband VSME aus und wechseln in den brandenburgischen Verband VME. Das hat der sächsische Arbeitgeberverband am Wochenende mitgeteilt. Dem VSME geht mit dem mehr als 7000 Beschäftigte zählenden Industriearbeitgeber eines der wichtigsten Mitglieder verloren.

«Mit der derzeitigen VSME-Spitze ist für uns die notwendige vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht mehr möglich. Das bedauern wir sehr», zitierte die Chemnitzer «Free Presse» am Wochenende einen Konzernsprecher. Dem Zeitungsbericht zufolge zieht VW Sachsen offenbar die Konsequenz aus Äußerungen der VSME-Spitze. VSME-Präsident Bodo Finger hatte demnach nach der jüngsten Tarifrunde davon gesprochen, dass Volkswagen Sachsen den Verband im Stich gelassen habe. VW Sachsen sei von Finger zudem öffentlich als «Problemfall» für den sächsischen Arbeitgeberverband bezeichnet worden, schreibt das Blatt.

Der sächsische Arbeitgeberverband warf VW in seiner Mitteilung vor, eine Sonderstellung beansprucht zu haben. Von Unternehmensseite sei mehrfach der Versuch unternommen worden, die Verbandsentscheidungen mit dem Hinweis auf die Unternehmensgröße zu dominieren, hieß es. Eine solche Bevorzugung für ein Mitgliedsunternehmen lasse die Satzung jedoch nicht zu. Schon bei der Tarifrunde zur Arbeitszeit im vergangenen Jahr habe VW mehrfach im Widerspruch zur Mehrheitsmeinung die 35-Stunden-Woche akzeptieren wollen, sich aber nicht durchsetzen können.

Auch zu Beginn dieses Jahres hatte der Verband in den Tarifverhandlungen mit seiner harten Haltung gegen die Übernahme des Pilotabschlusses aus Baden-Württemberg gegen die VW-Position argumentiert, musste sich am Ende aber Gesamtmetall beugen. Das Ausscheiden von VW stellt neben dem Verlust für den Verband auch die Bedeutung von Flächentarifverträgen in Frage. In Sachen waren nach Angaben des VSME nur noch 25.000 der 125.000 Beschäftigten in einem Betrieb beschäftigt, der an den Flächentarif gebunden ist.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%