Flexiblere Arbeitszeiten
Die Siesta steht vor dem Aus

Spanien steht vor einer Revolution: Um die Produktivität zu steigern, führen viele Unternehmen flexiblere Arbeitszeiten ein. Experten sind sich einig: Das geringe Produktivitätswachstum Spaniens kann nur durch die Abschaffung eines liebgewonnenen Privilegs behoben werden – die Siesta steht vor dem Aus.
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MADRID. Es ist 18 Uhr, und in Madrid kommt der Feierabendverkehr auf Hochtouren. Vor 21 Uhr werden sich die Staus auf den Autobahnen und an den Kreisverkehren nicht auflösen. Rosa Aguilera Salas kann dieses tägliche Schauspiel seit ein paar Tagen als Unbeteiligte beobachten. Bei einem Stadtbummel zum Beispiel, oder durch das Schaufenster ihres Friseurs.

Die schlanke blonde Frau arbeitet seit 25 Jahren in der Personalabteilung von Iberdrola. Und der Energieversorger hat mit einem Großteil seines Personals gerade einen Tarifvertrag vereinbart, der einer Revolution gleichkommt: Er schafft die Siesta ab.

Bis auf wenige Ausnahmen haben die Iberdrola-Angestellten seit Anfang November sogenannte "Intensiv-Arbeitszeiten“: Sie beginnen um 7.30 Uhr und arbeiten durch bis 15.30 Uhr – plusminus 25 Minuten. "Ich gehe jetzt immer so gegen 15 Uhr, und 20 Minuten später bin ich zu Hause, wo meine Mutter und mein Sohn mit dem Mittagessen auf mich warten“, freut sich Rosa.

Viele Jahre lang ist die 51-Jährige um halb sieben aufgestanden und eine Stunde später losgefahren, um gegen 8.30 Uhr an ihrem Schreibtisch im Hauptsitz von Iberdrola in einer gesichtslosen Industriezone im Nordosten von Madrid zu sitzen. "Der Verkehr um diese Zeit ist furchtbar, alles verstopft, fast alle hier haben eine Stunde hin und eine Stunde zurück gebraucht“, sagt Rosa.

Irgendwann im Laufe des Vormittags ist sie dann vielleicht noch einmal in die Cafeteria hinuntergegangen, um die schlechte Laune mit einem Kaffee oder ein paar "Pinchos“ – paar Snacks – zu vertreiben. Um 14 Uhr gab es eine Mittagspause von einer Stunde. Bei den Iberdrola-Leuten in der Zentrale blieb es in der Regel auch tatsächlich bei einer Stunde, denn "hier in dieser Gegend gibt es absolut nichts, keine Restaurants, keine Cafés, nur eine Cafeteria und eine Kantine, die jetzt wohl abgeschafft wird“.

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