Flugbranche

Tupolews langsamer Tod

Die Flugzeuge des russischen Herstellers Tupolew waren einst der große Stolz sowjetischer Ingenieurskunst. Ihre Maschinen galten als robust und zuverlässig. Jetzt sind die glorreichen Zeiten wohl endgültig vorbei - die russische Luftwerft steht vor dem Bankrott.
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Vergangene Zeiten: Die Tupolew 154 war einst ein Vorzeigeobjekt der sowjetischen Supermacht. Quelle: dpa

Vergangene Zeiten: Die Tupolew 154 war einst ein Vorzeigeobjekt der sowjetischen Supermacht.

(Foto: dpa)

MOSKAU/FRANKFURT. Selbst Vielflieger verrenken den Hals Richtung Fenster, sobald ihre Linienmaschine über das Rollfeld des Moskauer Flughafens Domodjedowo rumpelt. Auf dem Grünstreifen gleich nebenan bietet sich ihnen ein grausiger Anblick: ausgemusterte Flugzeuge, die seit Jahren vor sich hinrosten. Manchen Maschinen fehlen Triebwerke, anderen die Höhenruder. Keine von ihnen, soviel ist klar, wird je wieder fliegen.

Was am Moskauer Flughafen zwischen Startbahn und Stacheldraht so kläglich verrottet, war einst der Stolz sowjetischer Ingenieurskunst: eine Flotte der dreistrahligen Tupolew 154. Sie verkaufte sich knapp 1 000 Mal - und war zeitweise erfolgreicher als der Airbus-Bestseller, die A320-Familie.

Die glorreichen Zeiten sind vorbei, die russische Luftwerft Tupolew steht vor dem Bankrott. Das einzige Modell, das der Traditionsbetrieb im zentralrussischen Uljanowsk bei der Tochter Aviastar noch fertigen lässt, ist die Tu-204CM. An diesem Nachfolgemodell der legendären "154er" tüfteln die Russen seit 1989.

Der einzige Kunde ist abgesprungen

Selbst diesem Comeback-Versuch aber droht jetzt das nahe Ende. Die Moskauer Fluggesellschaft Atlant-Sojus, der letzte Kunde für das Flugmodell, ist abgesprungen. "Wenn Tupolew bis Ende des Jahres keinen Großauftrag an Land zieht, werden sie die Flugzeugproduktion komplett einstellen müssen", glaubt Oleg Pantelejew vom Moskauer Branchendienst Aviaport.

Tupolew stirbt langsam. Die Manager der Flugzeugschmiede haben es nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nie vermocht, die Ansprüche der modernen Luftfahrt bei der Entwicklung neuer Modelle zu erfüllen. Die 90er- Jahre über vertraute Tupolew auf den Erfolg des Verkaufsschlagers Tu-154, die in der M-Version ein bisschen leiser wurde und auch heute noch in EU-Ländern landen darf. Doch billiger in der Unterhaltung wurde das sowjetische Fluggerät nicht.

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1 Kommentar zu "Flugbranche: Tupolews langsamer Tod"

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  • Guten Tag;.... Und dennoch sie flog..... ueberall.....Landete ueberall. Wie einst der T 34 oder die Kalaschnikow. Gemacht fuer rauhes Gelaende. besten Dank

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