Flugzeugbau
Wo Putin den Mund zu voll nimmt

Russland soll angesichts der westlichen Sanktionen seinen eigenen Flugzeugbau im zivilen und im militärischen Bereich enorm ausbauen – so jedenfalls wünscht es sich die Regierung. Warum das nicht gelingen kann.
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DüsseldorfEs wirkt wie eine Trotzreaktion. Weil die Franzosen in der Ukraine-Krise vorerst den Hubschrauberträger Mistral nicht ausliefern, will die russische Regierung nun demonstrativ auf eigene Herstellung setzen. Sie ließ verlauten, man werde die nationale Produktion im Luftfahrt- und Rüstungsbereich deutlich ausweiten. Selbstverständlich müssten mehr Maschinen und auch Flugzeugteile in Russland gefertigt werden, sagte Ministerpräsident Dimitri Medwedew Anfang September.

Er gab das klare Ziel aus, die Produktion des Regionalflugzeugs Sukhoi Superjet ab 2015 von bisher 25 auf 50 Flieger zu verdoppeln – allerdings ohne einen genauen Zeithorizont zu benennen. Außerdem kündigte Medwedew an, Russland werde sich neue Kooperationspartner im Flugzeugbau suchen, wenn der Westen kein verlässlicher Partner mehr sein wolle. Zur neuen Autonomie soll auch ein nationaler Investitionsplan des russischen Handelsministeriums beitragen, der bis 2025 eine Produktion von 180 zivilen Flugzeugen pro Jahr vorsieht – eine Steigerung um den Faktor vier gegenüber der aktuellen Leistung.

Doch Beobachter sind skeptisch, ob die Russen diese Pläne autonom vom Westen umsetzen können, ganz egal, ob man russische oder US-amerikanische Experten fragt. „Bisher waren die Russen mit diesen Bestrebungen wenig erfolgreich“, sagt Tom Captain, Leiter der Abteilung Rüstung und Luftfahrt bei der Unternehmensberatung Deloitte. „Die russische Flugzeugindustrie ist nicht in der Lage, ein modernes Flugzeug ohne westliche Kooperationspartner zu bauen“, urteilt Oleg Panteleev, Chefanalyst des russischen Branchendienstes Aviaport.


Zwar ist Russland im militärischen Luftfahrtbereich durchaus wettbewerbsfähig. Doch im zivilen Luftfahrtsektor, der wirtschaftlich wichtiger ist, kommen die Russen vom Westen nicht los.

Wie eng die Kooperation mit dem Westen zuletzt war, zeigt sich an einem Schreiben des US-Handelsministeriums an heimische Firmen von Februar 2013, das im russischen Markt gewaltige Potenziale für US-Unternehmen ausmacht. Die russische Regierung will zwischen 2013 und 2025 rund 56,6 Milliarden US-Dollar in die Entwicklung des Luftfahrtsektors investieren. Diese Summen könnten die 248 russischen Produzenten unter dem Dach des mehrheitlich staatlichen Betriebes UAC jedoch gar nicht allein abrufen und verbauen, so die Schätzung der amerikanischen Ministerialbeamten.

Die großen nationalen Hersteller wie Sukhoi, Irkut, Tupolev, Ilyushin, Aviastar und Rostech arbeiten ausnahmslos mit internationalen Zulieferern zusammen. Selbst das russische Vorzeigeprodukt, der Sukhoi Superjet 100 besteht laut unternehmenseigener Buchführung bisher zu 55 bis 60 Prozent aus westlichen Bauteilen.

Kommentare zu " Flugzeugbau: Wo Putin den Mund zu voll nimmt"

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  • @Vittorio Queri


    Dann setzt man an den Rumpf unterhalb der Wasserlinie 5 Haftminen und dann gibt es das Problem nicht mehr.

  • Egal wie es und ob es gelingt, es wird Russlands Binnenmarkt fördern. Putin schafft das nur, wenn er sich der Marktwirtschaft öffnet und den Wettbewerb zulässt.
    In 20 Jahren hat Russland dann die EU überholt, die wieder in die Planwirtschaft zurückgefallen ist.

  • Es ist nur das Wunschdenken des Westens, dass ja die Sanktionen wirken; sonst würde man sich ja nur selbst ans Schienbein pinkeln. Es wäre furchtbar, wenn die Russen ein Kampfflugzeug der 5. Generation selbst entwickeln und in den Truppendienst bringen könnten - das passiert schon nächstes Jahr mit der Sukhoi T-50.

    Selbstverständlich können die Russen Flugzeuge entwickeln - auch zivile. Die Vermarktung außerhalb Russlands ist allerdings in der Tat ein Problem. Auf russische Technik hat da niemand gewartet. Allerdings werden die Sanktionen die russische Industrie geradezu beflügeln. Die westlichen Sanktionen waren nur dümmlich arrogant!

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