Flugzeugbauer Airbus
Diese Probleme bremsen den Überflieger

Airbus feiert sich als Marktführer über den Wolken. 635 Maschinen hat der europäische Flugzeugbauer im vergangenen Jahr ausgeliefert. Doch am Boden quälen den Konzern Probleme mit Toiletten und Motoren.

ParisIm ewigen Wettlauf mit dem Konkurrenten Boeing sieht sich der Flugzeugbauer Airbus eindeutig an der Spitze: „Wir führen diesen Markt“, sagte Fabrice Brégier, Chef der Zivilflugzeugsparte, am Dienstag bei der Jahrespressekonferenz in Paris. John Leahy, der für seine spitze Zunge gefürchtete Chefverkäufer des Unternehmens, legte nach: „Wir haben im vergangenen Jahr 1036 Bestellungen erhalten, Boeing nur 768, damit kommen wir auf einen Marktanteil von 57 Prozent.“ 635 Flieger konnte das deutsch-spanisch-französische Gemeinschaftsunternehmen im vergangenen Jahr seinen Kunden übergeben, mehr als je zuvor. In diesem Jahr sollen es sogar 650 werden.

Der Auftragsbestand des vor allem in Toulouse und Hamburg fertigenden Herstellers erreicht derzeit 6787 Flugzeuge, mit einem addierten Listenpreis von knapp 1000 Milliarden US-Dollar. Das ist deutlich mehr als die Wirtschaftsleistung, die 17 Millionen fleißige Holländer in einem Jahr erstellen. Hat Airbus die Gesetze der Schwerkraft hinter sich gelassen, gibt es keine Grenzen mehr für das Glück über den Wolken?

Doch, und kein anderer als Leahy selber musste das einräumen: „Ja gut, Boeing liefert mehr Flugzeuge aus als wir, aber das liegt nur an ihrem Zeitvorsprung beim (Großraumflieger) 787-Dreamliner, wir holen auf.“ 762 Flugzeuge haben die Amerikaner 2015 an die Airlines übergeben, deutlich mehr als Airbus.

Das in Toulouse ansässige Unternehmen kann trotz des dick aufgetragenen Optimismus seine Sorgen nicht verhehlen. Der Brot- und Butterflieger A320 in der spritsparenden Neo-Variante komme auf 67 Prozent Marktanteil gegenüber seinem Konkurrenten Boeing 737 Max, tönte Leahy. 3327 Exemplare des überarbeiteten Erfolgsmodells sind bestellt, das sichert auf Jahre hinaus die Auslastung der Kapazitäten. An diesem Kurz- und Mittelstreckenflugzeug – Listenpreis: 107 Millionen Dollar - hängt die finanzielle Gesundheit von Airbus.

Doch ausgerechnet hier gibt es Lieferschwierigkeiten. Ungewohnt giftig ging Chefverkäufer Leahy darauf kurz ein: „Dank Pratt & Whitney konnten wir die erste A 320 neo nicht im vergangenen Dezember ausliefern.“ Es ist völlig unüblich, einen wichtigen Zulieferer öffentlich so in den Senkel zu stellen. Der Motorenhersteller hat Schwierigkeiten mit der Kühlung des neuen Aggregats. Nach dem Anlassen muss es erst ein paar Minuten im Leerlauf drehen, bevor das Flugzeug zum Start rollen kann. Erstkunde Qatar Airways verweigerte deshalb die Abnahme.

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