Truppentransporter A400M

Das Programm hatte in den vergangenen Jahren immer wieder Probleme bereitet.

(Foto: dpa)

Flugzeugbauer Airbus verdreifacht den Gewinn

Der Flugzeugbauer Airbus leidet unter den Belastungen für den Militärtransporter A400M. Dennoch verdreifacht sich der Gewinn nahezu.
Update: 15.02.2018 - 10:10 Uhr Kommentieren

ToulouseAirbus-Chef Tom Enders kommt in seinem letzten Jahr an der Spitze des europäischen Flugzeugbauers nicht zum Durchatmen. „Wir haben jede Menge Herausforderungen vor uns“, sagte Enders am Donnerstag im französischen Toulouse. „Aber das ist beherrschbar.“ Bei der neuen Generation des Kassenschlagers A320 reißen die Probleme mit den Triebwerks-Lieferanten nicht ab. „Wir sind seit zwei bis drei Jahren ständig im Krisenmodus“, schimpfte Enders auf der Bilanzpressekonferenz. An einer Lösung hängen auch die Ertragsziele für 2018. Dagegen habe Airbus mit der vorläufigen Einigung mit den sieben Käuferstaaten über neue Zeitpläne für den Militärtransporter A400M die Kuh vom Eis geholt. „Da liegt das Schlimmste hinter uns.“

Wegen der Verzögerungen beim A400M hat Airbus noch einmal 1,3 Milliarden Euro abgeschrieben. Damit reduzierten sich aber die finanziellen Risiken deutlich, sagte Enders, dessen Abschied im nächsten Jahr schon feststeht. Die 53. und letzte Maschine soll nun erst 2025 ausgeliefert werden, mehrere Jahre später als geplant. Insgesamt hat Airbus acht Milliarden Euro für den A400M zurückgestellt. Enders hatte zwischenzeitlich mit einem Abbruch des Programms gedroht. Doch auch das steckte der französisch-deutsche Konzern dank eines Endspurts im Geschäft mit Verkehrsflugzeugen 2017 locker weg.

Die Börse bejubelte ein bereinigtes Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 4,25 Milliarden Euro, das unerwartet um acht Prozent über dem Vorjahresniveau lag. Die Airbus-Aktie schoss um bis zu elf Prozent auf 93 Euro. „Bei Airbus Commercial scheint sich alles zurechtgerüttelt zu haben“, schrieb Jefferies-Analyst Sandy Morris.

„Dank unserer sehr guten operativen Ergebnisse – insbesondere im letzten Quartal – haben wir alle Ziele für 2017 übertroffen“, sagte Enders und fügte hinzu: „Einiges davon hat sogar mich überrascht.“ Der Nettogewinn verdreifachte sich fast auf 2,87 (2016: 0,99) Milliarden Euro, unter anderem wegen des Gewinns aus dem Verkauf der Rüstungselektronik-Sparte von 604 Millionen Euro und wegen Währungseffekten. Die Dividende schraubte Airbus um elf Prozent auf 1,50 (1,35) Euro je Aktie nach oben.

Der Umsatz stagnierte bei 66,8 (66,6) Milliarden Euro, obwohl Airbus mit 718 Verkehrsflugzeugen so viele auslieferte wie noch nie. Der Auftragseingang wuchs auf 158 (134) Milliarden Euro, in den Orderbüchern stehen nun mehr als 7200 Flugzeuge im Wert von fast einer Billion Euro. Nach dem jüngsten Großauftrag der arabischen Fluglinie Emirates ist auch die Zukunft des Großraumflugzeugs Airbus A380 gesichert. "Darauf können wir aufbauen", sagte Enders. Er hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass nun noch mehr Orders für den einstigen Hoffnungsträger hereinkommen. Vor allem China brauche eigentlich viele A380, weil die wachsende Mittelschicht in dem Riesenland immer öfter mit dem Flugzeug reist.

Im laufenden Jahr baut Airbus auf den Erfolg des neuen Kurzstreckenflugzeugs A320neo. 800 Flugzeuge sollen 2018 ausgeliefert werden, die „neo“-Baureihe soll rund die Hälfte davon ausmachen. Das ist die Voraussetzung, dass Airbus seinen operativen Gewinn um 20 Prozent auf rund 5,1 Milliarden Euro treiben kann. Die Übernahme der „CSeries“-Reihe der kanadischen Bombardier, die im zweiten Halbjahr üer die Bühne gehen soll, ist in den Planungen noch nicht enthalten. Analyst Stephan Bauer vom Bankhaus Lampe hält die Gewinnprognose für „eher vorsichtig“.

Doch beim Triebwerks-Lieferanten Pratt & Whitney sind neue Probleme aufgetreten, nachdem die alten gelöst schienen. Zahlreiche A320neo stehen auf Halde. "Das ist unglücklich, das ist nicht schön, und das bedeutet zusätzliche Arbeit und Stress", monierte Enders. Die chinesische Fluggesellschaft Hong Kong Express etwa fürchtet laut einer internen Mitteilung, dass sie ihre bestellten Airbus A320neo mit mindestens sechs Monaten Verspätung bekommt. Und auch beim zweiten Triebwerkshersteller CFM läuft nicht alles rund.

Ein Blick in den Hoffnungsträger von Airbus
Alles neu bei Airbus
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Die Neuauflage des A330 soll weniger verbrauchen und Passagieren mehr Platz bieten. Dafür bekommt der A330 den Beinamen "neo", was für new engine option steht.

Lange Flügel
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Mit 64 Metern Spannweite sind die Flügel des A330 neo länger als beim Vorgänger. Am Ende der Produktion werden die geschwungenen Spitzen, so genannte Sharklets aufgesetzt, die den Verbrauch senken.

Doppelter Antrieb
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Die zwei Triebwerke Trent 7000 von Rolls-Royce sollen den Kerosinverbrauch um 14 Prozent senken - und deutlich ruhiger arbeiten als im Vorgängermodell.

Verzögerungen inklusive
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Allerdings sollen Lieferschwierigkeiten bei den Triebwerken auch dafür gesorgt haben, dass sich die erste Auslieferung des A330 neo um mehrere Monate verzögerte.

Weniger Widerstand
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Auf den ersten Blick nicht sichtbar, aber auch die Aerodynamik sei beim Nachfolger mit 3D-Simulationen deutlich verbessert worden, wirbt der Airbus. Das war auch nötig: der Vorgänger ist mittlerweile 20 Jahre alt.

Deutsch-französische Zusammenarbeit
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Der Rumpf für den A330 neo wird in Hamburg gebaut - und per Beluga-Transportflugzeug nach Toulouse transportiert. Die Flügel kommen aus Bremen.

Mehr Platz für Passagiere
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Die Kabine soll nicht nur ruhiger, sondern auch größer sein als im Vorgänger. Das bietet Platz für zehn Passagiere mehr, im Schnitt für 257 Passagiere. Bei Bedarf können sogar bis zu 400 Passagiere mitfliegen.

Gleichzeitig drohen die Schatten der Vergangenheit Airbus erneut einzuholen. Im Geschäftsbericht heißt es, auch die US-Behörden hätten Informationen zu den Korruptions-Ermittlungen gegen Airbus in Frankreich und Großbritannien um den Verkauf von Verkehrsflugzeugen angefordert. Das könne auch US-Gesetze betreffen. In den USA sitzt der Airbus-Rivale Boeing. Bei einer zweiten Affäre um den Verkauf von Eurofighter-Kampfflugzeugen nach Österreich hatten die Ermittler in Wien im alten Jahr bereits das US-Justizministerium eingeschaltet.

Der neue österreichische Verteidigungsminister Mario Kunasek (FPÖ) signalisierte am Donnerstag, dass er die Entscheidung seines Vorgängers zu einem Ausstieg aus dem Eurofighter-Programm noch einmal überdenken wolle. Der Chef der Finanzprokuratur des Landes, Wolfgang Peschorn, machte dafür aber Wiedergutmachungs-Zahlungen von Airbus zur Bedingung. Vorstandschef Enders äußerte die Hoffnung, dass Airbus bald weitere Aufträge für den Eurofighter erhalten könne, womöglich aus Deutschland.

„Airbus und der A380 sind trotzdem nicht über den Berg“

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