Flugzeugbauer
Fehlstart im Doppelpack

Nach den Verzögerungen bei Airbus liefert jetzt auch der US-Konkurrent Boeing den Hoffnungsträger Dreamliner mit Verspätung aus. Der Grund für das Desaster ist bei beiden Konzernen der gleiche: eine Produktionsstrategie, die so gewaltig wie anfällig für Fehler ist.

PARIS. Jetzt also auch Boeing mit seinem „Dreamliner“, der 787: Der US-Konzern kann seinen Zeitplan nicht einhalten, die Erstauslieferung wurde um sechs Monate auf Ende November/Anfang Dezember 2008 verschoben. Auch Konkurrent Airbus hatte im Mai 2005 zunächst nur von einer Verspätung von sechs Monaten für die doppelstöckige A380 gesprochen. Heute fliegt der Supervogel zwei Jahre und über sechs Mrd. Euro hinter den ursprünglichen Planungen her. Am kommenden Montag soll nun die erste A380 mit großem Pomp in Toulouse an Singapore Airlines übergeben werden.

Auch im Fall Boeing glauben Experten, dass die erste Verschiebung des Zeitplans für die 787 nicht die letzte gewesen sein dürfte. Denn Boeing hat einen extrem ambitionierten Produktionsplan: 30 bis 35 Maschinen sollen jetzt im Jahr 2009 zusätzlich gebaut werden, damit das Produktionsvolumen trotz Verspätung bis Ende 2009 ungefähr stabil bleibt. Das heißt, im nächsten Jahr dürfte Boeing nur elf bis 16 Dreamliner bauen. 2009 müssten dann plötzlich über 90 Flieger die Werkshallen verlassen. „Wir sind skeptisch, ob das Unternehmen in der Lage sein wird, die Produktion in so kurzer Zeit derart hochzufahren“, warnen die Experten des französischen Brokers Exane BNP Paribas.

Boeings Probleme von heute könnten Airbus’ Schwierigkeiten von morgen werden. Denn der US-Hersteller kämpft mit den Folgen der Tatsache, dass die 787 gleich in zwei Bereichen Neuland betritt. Airbus plant mit seiner A350 genau das Gleiche.

Zum einen soll der Dreamliner das erste Flugzeug sein, das zu 50 Prozent aus leichten, spritsparenden Verbundwerkstoffen besteht. Zum anderen hat Boeing die Produktion nach dem Vorbild der Autoindustrie vollkommen umgekrempelt, und große Teile der Entwicklung und Produktion nach außen gegeben. Die Flügel baut zum Beispiel Mitsubishi in Japan, zentrale Rumpfteile stammen von Alenia in Italien.

Bei einer so fragilen Zulieferkette können schon Kleinigkeiten große Auswirkungen haben. Wegen der steigenden Rohstoffkosten kommt zum Beispiel der US-Aluminium-Produzent Alcoa nicht mit der Herstellung von Bolzen hinterher. Das Fehlen der Kleinteile bremst nun die gesamte Produktion.

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