Flugzeughersteller
Bombardier wagt sich auf neuen Kurs

Der kanadische Flugzeughersteller Bombardier greift mit einer neuen Jetfamilie den Weltmarkt an. Erstmals baut das Unternehmen einen großen Regionaljet mit Platz für bis zu 130 Passagiere. In diesem Segment sehen derzeit viele Unternehmen ihre Chance - darunter Russen, Japaner und Chinesen.

BERLIN. "Wir sind zuversichtlich, in diesem Jahr einen ersten Kunden zu präsentieren", sagte Bombardier-Manager Benjamin Boehm in Berlin. Bombardier wirbt auf der Internationalen Luftfahrtshow mit einem Demonstrator seiner C-Series genannten Jetfamilie. Das Flugzeug ist für Bombardier eine Herausforderung: Erstmals wagen sich die Kanadier an eine Maschine mit deutlich mehr als 100 Sitzplätzen. Mit 110 bis 130 Passagieren dringt die C-Serie gar in die unterste Klasse von Airbus und Boeing ein. Lange haben die Kanadier damit gezögert: Im Februar erst gab der Bombardier-Vorstand grünes Licht für den Start. Rund 3,2 Mrd. Dollar (2,04 Mrd. Euro) lässt sich der Konzern den Angriff kosten. 2013 soll die erste Maschine ausgeliefert werden.

Bombardier hat im vergangenen Jahr 14,9 Mrd. Dollar Umsatz gemacht, mit rund 60 Prozent ist die Luftfahrtsparte der Hauptumsatzträger, der Rest entfällt auf das Geschäft mit Schienenfahrzeugen.

"Wir greifen da an, wo es Airbus und Boeing noch nicht wehtut", sagt Boehm. In der Tat sind die A318 und die Boeing 737-600 mit rund 110 Sitzplätzen Nischenprodukte, die aus größeren Maschinen abgeleitet werden. Doch genau in diesem Segment der Regionaljets sehen derzeit viele Unternehmen ihre Chance.

Seit Jahren feiert der brasilianische Bombardier-Erzkonkurrent Embraer mit seiner E-Jet-Familie große Erfolge, die Maschinen bieten Platz für bis zu 120 Passagiere. In der vergangenen Woche startete der russische Hersteller Sukhoi seinen Superjet 100 zum Erstflug, für die Maschine liegen bereits rund 100 Bestellungen vor. Der japanische Industriemulti Mitsubishi will bis 2013 einen Regionaljet auf den Markt bringen, China arbeitet ebenfalls an einem eigenen Typ. Alle Anbieter gehen von einer ähnlichen Marktdynamik aus: 5 000 bis 6 000 Maschinen mit 100 bis 150 Sitzplätzen sollen in den kommenden 20 Jahren verkauft werden.

Bei einem Preis von circa 40 Mill. Dollar je Regionalflugzeug winkt den Konzernen also ein Gesamtumsatz von 240 Mrd. Dollar in dieser Zeit. Die Regionalflieger machen damit gut zehn Prozent des gesamten zivilen Flugzeugmarktes aus. Bombardier hat für seine C-Serie zwar noch keinen Preis, allerdings technische Details genannt. "Wir bieten zwanzig Prozent weniger Spritverbrauch und 15 Prozent geringere Betriebskosten zu Embraer, Boeing und Airbus", verspricht Boehm. Werte, die Bombardier erst im zweiten Anlauf hinbekam. 2005 stoppte der Flugzeughersteller einen ersten Versuch, weil er sich noch keine Marktchancen ausrechnete. "Der erste Entwurf war nicht effizient genug", sagt Boehm.

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