Flugzeughersteller
Die Davids der Lüfte rüsten auf

Der Druck auf Boeing und Airbus wächst. Aus China, Japan und Russland drängen neue Anbieter auf den Flugzeugmarkt - und locken die Airlines mit Kampfpreisen. DIe Platzhirsche geben sich bislang gelassen. Doch die kleinen Flugzeugbauer haben bereits aggressive Pläne entwickelt, um die etablierten Anbieter auf ihren Heimatmärkten zu attackieren.

PARIS/FRANKFURT. Die großen Flugzeughersteller Boeing, Airbus, Bombardier und Embraer geraten immer stärker unter Druck. Neben der bislang schwersten Krise der Luftfahrtindustrie belastet auch der wachsende Wettbewerb durch neue Anbieter wie Sukhoi aus Russland oder AVIC aus China die Zukunftsaussichten. So konnte Sukhoi auf der Luftfahrtschau in Paris Le Bourget gleich mehrere Aufträge einheimsen.

Gestern unterzeichnete die Avialeasing Aviation Company, ein Frachtflieger aus Tashkent in Usbekistan, eine Absichtserklärung über den Kauf von 24 Superjet-Flugzeugen von Sukhoi. Tags zuvor hatte bereits die ungarische Fluggesellschaft Malev 30 russische Regionaljets bestellt, ein Auftrag im Schätzwert von einer Milliarde Dollar.

Auch im Westen verfolgen Fluggesellschaften den sich ankündigenden Umbruch im Markt mit hoher Aufmerksamkeit, könnte doch die wachsende Anbieterzahl für Flugzeuge künftig Preisverhandlungen einfacher machen. "Die neuen Anbieter werden in dem Markt bis 120 Sitze für Impulse sorgen", ist Nico Buchholz, der oberste Flotten-Einkäufer von Lufthansa, Europas zweitgrößter Airline, überzeugt.

Gerade die Akzeptanz bei den westlichen Fluggesellschaften wird entscheidend für den Erfolg der neuen Anbieter sein. Frühere Erfahrungen zeigen, dass diese allerdings erst einmal abwarten werden, wie sich die neuen Flugzeugtypen im Alltagsbetrieb bewähren. Dazu zählt nicht zuletzt die Frage des Wartungsaufwands, ein wichtiger Kostenblock beim Betrieb von Flugzeugen.

Dennoch steht Lufthansa bereits seit Längerem in Kontakt mit den neuen Herstellern. "Wir arbeiten mit Sukhoi, aber auch mit Mitsubishi eng zusammen, sagen diesen, was sie vielleicht noch anders machen können, ohne allerdings zu versprechen, dann auch zu kaufen", erklärte Lufthansa-Manager Buchholz vor einigen Wochen seine Strategie.

Die neuen Anbieter sind vom eigenen Erfolg überzeugt, geben sich in Le Bourget in den Augen von Marktexperten überraschend aggressiv. "Langfristig wollen wir 20 Prozent Marktanteil bei den Regionaljets erreichen", erklärte Mikhail Pogosyan, der CEO von Sukhoi und der Schwestergesellschaft Mig. Der Superjet 100, ein Regionalflieger mit bis zu 95 Sitzen und einer Reichweite von maximal 4 550 Kilometer, ist das einzige wirklich neue Flugzeug, das in Paris seine Weltpremiere feiern konnte.

Der chinesische Flugzeugbauer AVIC wiederum will mit der AJR-21 einen eigenen Regionalflieger ins Programm aufnehmen, der 90 Sitze und eine Reichweite bis 3 700 Kilometern bietet. Wie der Superjet soll er 2010 ausgeliefert werden. Zwar ist die Maschine noch nicht getestet und zertifiziert, dennoch liegen bereits rund 200 Bestellungen vor. "25 Maschinen haben wir dabei an eine US-Leasing-Firma verkauft", sagte Jin Qiansheng, Leiter der Aeronautik-Region CAIB um Xi?an, wo Teile der AJR-21 gebaut werden.

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