Flugzeughersteller Embraer
Der Herr der kleinen Jets

Der brasilianische Flugzeughersteller Embraer ist zum Marktführer für mittelgroße Flugzeuge aufgestiegen. Nun rüstet sich der Konzern gegen aufstrebende Konkurrenz – aus China und Russland. Teil 3 der Handelslbatt-Serie über die neuen Weltkonzerne.

SÃO PAULO. „Hi Robert, hast du nicht Interesse, unser neues Flugzeugmodell mal persönlich anzuschauen?“ fragt der freundliche Herr den Chef von Air Canada, Robert Milton. Es ist Frühjahr 2001, und der Satz schallt aus den Lautsprechern eines tragbaren DVD-Players, den der Airline-Chef geschickt bekommen hat. Jetzt gerade, fährt der Herr mit Brille und kräftigem Akzent fort, sei aus Brasilien ein Container mit einem Modell des Fluggastraums in Montreal eingetroffen. „Das war ganz schön clever von den Brasilianern“, sagt Milton heute. „Ich habe mir den Prototyp tatsächlich angeschaut.“

Der freundliche Herr auf dem Bildschirm ist Mauricio Botelho, Chef des Flugzeugherstellers Embraer. Er wirbt für das neue Modell der Brasilianer, ein Regionalflugzeug mit 90 bis 110 Sitzen. Und das im Hinterhof seines größten Konkurrenten: der kanadischen Firma Bombardier – nicht nur Nachbar von Air Canada in Montreal, sondern bis dato auch deren einziger Zulieferer für Regionaljets.

Die ungewöhnliche Kundenwerbung ist erfolgreich: Das Modell im eingeflogenen Container überzeugt den Airline-Chef, er bestellt kurzerhand 45 Maschinen des Typs E-170.

Inzwischen hat Embraer den einst übermächtigen Konkurrenten Bombardier weit hinter sich gelassen: Viermal so viele Bestellungen wie die Kanadier hat Embraer derzeit in den Büchern. Orders im Wert von rund 15 Mrd. US-Dollar – so viel wie noch nie in der Unternehmensgeschichte. „Viele haben es noch nicht mitbekommen, aber Embraer fliegt jetzt mit Airbus und Boeing in einer Liga“, urteilt Ronald Epstein, Analyst der Investmentbank Merrill Lynch.

Es ist eine fast unglaubliche Geschichte. 1994 wird Embraer privatisiert – ein marodes Staatsunternehmen, bei dem viele Jahre Brasiliens Militärs das Sagen hatten. Die Firma war gerade grandios mit ihrem neuesten Modell gescheitert: Der Jet flog höher und schneller als alle Maschinen der Konkurrenz, war aber auch 50 Prozent teurer. Nicht ein einziges Modell wurde verkauft. „Selbstverliebte Ingenieurkunst“, diagnostiziert Konzernchef Botelho heute den Fehler.

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