Flugzeughersteller
Regionalflieger im Abseits

Das Geschäft mit kleinen Regionalfliegern ist eingebrochen. Mit effizienten Kleinflugzeugen und Geschäftsfliegern verdienten Embraer und Bombardier bis vergangenen Herbst noch gutes Geld. Nun brechen die Aufträge weg. Tausende Stellen müssen abgebaut werden.

SÃO PAULO/FRANKFURT. Die Rezession sowie die Krise in der Luftfahrtbranche schlagen in voller Wucht bei den Herstellern von Regionaljets zu. Gestern gab der kanadische Luftfahrt- und Bahntechnikkonzern Bombardier bekannt, 3 000 Stellen oder zehn Prozent der Belegschaft in der Flugzeugsparte abbauen zu wollen. Erst im Februar hatte das Unternehmen hier 1 400 Jobs gekappt. Grund seien vor allem fehlende Neuaufträge, hieß es.

Wie dramatisch die Situation ist, zeigt eine einzelne Zahl: So hat der Konzern im vierten Quartal (Ende Januar) gerade einmal Aufträge für sechs Flugzeuge erhalten. Im vergleichbaren Vorjahresquartal waren es dagegen noch 213 Bestellungen gewesen.

Bombardier steht mit diesem Problem nicht alleine da. „Wir haben seit Mitte letzten Jahres kaum noch neue Aufträge bekommen“, berichtete Frederico Curado, seit zwei Jahren Präsident des brasilianischen Rivalen Embraer, vor wenigen Tagen und fügte hinzu: „In den ersten drei Monaten dieses Jahres hat sich die Situation noch einmal brutal verschlechtert.“ Seit Oktober musste der Konzern bereits zweimal seine Umsatzerwartungen für 2009 von 7,1 Mrd. Dollar auf inzwischen nur noch 5,5 Mrd. Dollar reduzieren.

Wie Bombardier hat der weltweit drittgrößte Flugzeughersteller ein radikales Sparprogramm gestartet – gegen großen Widerstand. Die Entlassung von 4 300 Mitarbeitern sorgte für massive Proteste in Brasilien. Die Justiz erhob Einspruch, Gewerkschaften protestierten, und Curado wurde wie ein Schuljunge zu Präsident Luiz Inácio Lula da Silva zitiert, um den Abbau zu rechtfertigen.

Doch Curado will Kurs halten: „Wir müssen vermeiden, dass das Unternehmen in eine ernste Krise gerät, dann ist eine Rettung viel schwerer."

Bombardier und Embraer hatten bis zum Herbst 2008 einen regelrechten Auftragsboom erlebt. Auf der einen Seite florierte das Geschäft mit den kleinen Geschäftsfliegern. Auf der anderen Seite erfreuten sich die effizienten Regionalflugzeuge einer großen Beliebtheit. Nun ist die Nachfrage gleich in beiden Segmenten eingebrochen.

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