Flugzeugkonzerne
Am Himmel drohen massive Überkapazitäten

Des einen Freud, des anderen Leid: Die prall gefüllten Auftragsbücher der großen Flugzeugkonzerne könnten schon bald zu einem ernsten Problem für die weltweite Luftfahrtbranche werden. Das Gemisch aus sinkender Nachfrage und steigendem Angebot könnte die Airlines rund um den Globus in einen ruinösen Preiskampf zwingen. Eine unheilvolle Spirale.

FRANKFURT. "In den nächsten Jahren werden weltweit 1 000 Maschinen ausgeliefert. Das ist die wahrscheinlich höchste Zahl in unserer Geschichte", beschreibt Brian Pearce, der Chefökonom der Weltluftfahrtverbandes IATA, die Situation. Viele der neuen Maschinen werden 2009 an die Airlines gehen, just in dem Jahr, das nach Ansicht der meisten Auguren das Hauptkrisenjahr werden wird. Hinzu kommt: Die Wirtschaftskrise zieht alle Regionen gleichzeitig in ihren Sog. Damit dürfte es 2009 besonders für die stark expansiven Airlines aus dem Golf schwierig werden. Gerade sie bauen auf den Verkehr zwischen Europa und Asien, bei dem nun aber die Nachfrage sinkt.

Gerade die Golf-Airlines drücken in den kommenden Jahren enorme Zusatzkapazitäten in den Markt. Alleine Emirates hat derzeit 244 neue Flugzeuge mit einem Wert von über 60 Mrd. Dollar in Auftrag gegeben. Man werde in den nächsten sechs Jahren im Schnitt zwei neue Maschinen pro Monat bekommen, erklärte Emirates-Vorstandschef Tim Clark vor einiger Zeit. Sein Ziel: Emirates soll schon bald zu den weltweit größten Airlines aufsteigen.

Kritik an dieser expansiven Politik wollen die Oberen der Golf-Airline nicht gelten lassen. Sie verweisen stattdessen auf die Einkaufstour des deutschen Rivalen Lufthansa. "Wir können die Kritik nicht verstehen. Man muss doch viel eher aufpassen, dass Unternehmen wie etwa Lufthansa nicht eine zu dominante Rolle bekommen", kontert Andrew Parker, Senior Vice President von Emirates und dort für Public Affairs zuständig. Während Analysten angesichts der Überkapazitäten über Abbestellungen oder Stornierungen von Flugzeugen spekulieren, mag Parker davon nichts wissen: "Das ist nicht geplant."

Im Nachbarstaat bei Qatar Airways ist die Situation ähnlich. Die Flotte der derzeit 64 Boeing - und Airbus-Maschinen soll bis 2013 auf etwa 110 verdoppelt werden. Aktuell hat Qatar rund 200 neue Flugzeuge in Auftrag gegeben. Auch der Rivale Etihad wartet bereits auf zahlreiche neue Maschinen, um seine Flotte auszubauen.

Dabei kämpft die Luftfahrt bereits seit Jahren mit Überkapazitäten. Einerseits gilt es als schick, eine eigene Fluglinie zu gründen und zu betreiben, ob als Staat oder als vermögender Geschäftsmann. Das hat anderseits zur Folge, dass eine echte Marktbereinigung trotz zahlreicher Branchenkrisen, ausgelöst etwa durch die Terroranschläge 2001 oder die SARS-Epidemie kurze Zeit später, nie wirklich stattgefunden hat. Bevor eine Airline in die Insolvenz gehen musste, griff stets der Staat ein. Das wohl bekannteste Beispiel ist die italienische Alitalia, die nun von einem durch Premierminister Silvio Berlusconi zusammengetrommeltes Konsortium vor dem Aus gerettet werden soll.

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