Flugzeugmotorenbauer
Größter Thielert-Kunde liebäugelt mit Übernahme

Der größte Kunde des insolventen Flugzeugmotorenbauers Thielert kann sich einen Einstieg bei seinem Lieferanten vorstellen. „Man könnte etwa mit Cessna und Piper ein Konsortium bilden und Thielert übernehmen“, sagte der Chef des österreichischen Flugzeugbauers Diamond Aircraft, Christian Dries.

HB HANNOVER. „Dabei könnte man auch einen Finanzinvestor einbinden.“ Denkbar sei etwa eine Konstruktion, bei der der Finanzinvestor die insolvente Firma kauft und an das Betreiberkonsortium vermietet. „So ließen sich auch die Mitarbeiter halten“, sagte Dries am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Erste, bislang aber erfolglose Gespräche mit Finanzinvestoren hätten bereits stattgefunden. Die Cessna-Mutter Textron und der Konkurrent Piper lehnten Stellungnahmen ab.

„Ich wäre bereit, in den laufenden Betrieb von Thielert zu investieren“, sagte Dries. Um den Flugzeugmotorenhersteller am Leben zu halten, müssten 30 bis 50 Mill. Euro in das Unternehmen gesteckt werden - etwa um die Motoren weiterzuentwickeln. Dries warf Insolvenzverwalter Bruno Kübler jedoch vor, einen völlig überzogenen Preis für Thielert zu verlangen. Branchenkreisen zufolge bewertet Kübler das in der Thielert Aircraft Engines gebündelte Flugzeugmotorengeschäft mit rund 100 Mill. Euro. „Ich habe zu keinem Zeitpunkt eine Summe genannt“, sagte hingegen Kübler. „Der Preis für das Unternehmen wird in den Verhandlungen mit den Investoren ermittelt, und nicht von mir festgesetzt.“ Auf dem Frankfurter Börsenparkett wurde die Thielert-Aktie am Freitag teilweise mit Abschlägen von bis zu gut einem Fünftel gehandelt.

Diamond ist mit einem Anteil von rund vier Fünfteln der Hauptabnehmer der Thielert-Flugzeugmotoren. Die Österreicher haben mittlerweile für 40 Mill. Euro eine eigene Motorenproduktion hochgezogen, die im September mit der Serienfertigung beginnen werde und ab 2010 bis zu 3 000 Stück jährlich herstellen soll, sagte Dries. „Thielert wäre attraktiv, da das uns einige Investitionen ersparen würde“, sagte Dries. „In drei bis vier Jahren könnten Diamond und Thielert dann möglicherweise fusionieren.“

Thielert hatte Ende April Insolvenz angemeldet. Auslöser für die prekäre Lage war der Verdacht der Bilanzmanipulation. Das Unternehmen hatte Vorstandschef Frank Thielert und die Finanzchefin fristlos vor die Tür gesetzt. Am 1. Juli soll das Insolvenzverfahren eröffnet werden. Nach Angaben des Verwalters gibt es mehr als 50 Kaufinteressenten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%