Flugzeugtypen Q400 und CRJ
Bombardier denkt über Notverkäufe von Baureihen nach

Neue US-Importzölle machen Bombardier das Leben schwer. Darum denken die Kanadier offenbar darüber nach, sich von zwei traditionsreichen Flugzeugbaureihen zu trennen. Profitieren könnte Konkurrent Airbus.
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MontrealAuf der Kurzstrecke ist die Q400 von Bombardier bei Fluggesellschaften immer noch sehr beliebt. Denn die Maschine mit Propellerantrieb („Turboprop“) verbraucht weniger als die Jet-Alternativen von Airbus und Boeing. Doch das Flugzeugmodell mit den markanten Triebwerken könnte bald einen neuen Besitzer finden.

Denn Bombardier machen mögliche US-Importzölle zu schaffen. Die Trump-Regierung in Washington hat auf Beschwerde von Boeing mehrere Strafzölle für die Kanadier verhängt. Der Preis der erfolgreichen C-Serie von Bombardier könnte durch die Auflagen im wichtigsten Flugzeugmarkt der Welt um fast 300 Prozent steigen. Selbst unter US-Airlines sorgte diese Maßnahme für Proteste. Bei Bombardier erhöht sie vor allem den Zwang, sich nach neuen Geldquellen umzusehen – und dazu gehört nicht nur das Turboprop-Geschäft.

Der kanadische Flugzeugbauer denke darüber nach, sich von Unternehmensteilen zu trennen, berichtet die Finanzagentur Bloomberg unter Berufung auf  Insider. Neben dem Q400 könnte auch der CRJ Regional-Jet zum Verkauf gestellt werden, heißt es in dem Bericht. Auch Airbus soll an einem Kauf interessiert sein.

Angesichts der neuen Herausforderungen auf dem größten Flugzeugmarkt der Welt, den USA, müssen die Kanadier ihre Kosten dringend in den Griff bekommen. Vor allem, nachdem Gespräche mit Siemens über eine Fusion des Schienengeschäfts vor Jahren im Sande verlaufen waren. Im Jahr 2015 hatte Bombardier darum Anteile am Bahngeschäft im Wert von 1,5 Milliarden Dollar an einen kanadischen Pensionsfonds verkauft.

Dass die beiden kleinen Flugzeugmodelle zum Verkauf gestellt werden könnten, ist zumindest für Analysten keine Überraschung. „Bombardier hat diese Produkte zu lange vernachlässigt“, sagt Richard Aboulafia, Luftfahrt-Consultant bei Teal. In den vergangenen Jahren hatte der Q400 weniger Käufer gefunden – und Marktanteile an die Airbus-Tochter ATR verloren. Zuletzt hatte Bombardier-Vize Todd Young angekündigt, Flügel und Cockpits der Propeller-Maschine außerhalb von Kanada zu produzieren, um Kosten zu sparen.

Offiziell hüllen sich sowohl Bombardier als auch Airbus zu den Spekulationen in Schweigen. Bisher sei noch keine finale Entscheidung getroffen worden, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

Bekannt ist aber, dass Bombardier-Chef Alain Bellemare derzeit bemüht ist, das Geld zusammenzuhalten. Die C-Serie – der einstige Hoffnungsträger der Kanadier – kam nicht nur zwei Jahre später auf den Markt als geplant, sondern hat auch das Budget um mittlerweile zwei Milliarden Dollar überzogen.

Die Verspätung hatte Bombardier gezwungen, den Staat als Investor an Bord zu holen. Quebec investierte rund eine Milliarde Dollar in die Entwicklung der C-Serie, Kanada weitere 300 Millionen Dollar. Für die USA war diese staatliche Hilfe ein Verstoß gegen den Wettbewerb. Vor allem, weil Bombardier den Mittelstreckenjet mit einem zu niedrigen Preis in den Markt gedrückt habe, der nur durch staatliche Subventionen möglich sei.

Nachdem die US-Airline Delta einen Auftrag über 75 Jets im Wert von mehr als fünf Milliarden Dollar bei den Kanadiern platziert hatte, protestierte Konkurrent Boeing bei den Behörden. Der Erfolg für Boeing könnte spätestens dann zum Bumerang werben, wenn tatsächlich Airbus die Modellreihen der Kanadier übernehmen sollte. 

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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