Flutkatastrophe
Deutsche Unternehmer nehmen Thailand in die Pflicht

Monatelang Lieferengpässe, Milliardenschäden, Insolvenzen am laufenden Band: Die Flutkatastrophe hat in Thailand viel zerstört. Nun fordern Unternehmer eine bessere Krisenprävention - die nächste Flut kommt garantiert.
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BangkokJörg Buck ist eine Mann mit einer Mission: der neue Leiter der deutsch-thailändischen Industrie- und Handelskammer in Bangkok will bei der nächsten Gefahr einer Flut besser informiert werden. Und zwar von oberster Stelle. Das fordern auch die Mitglieder der deutschen Industrie in Thailand. Sie haben vergangene Woche eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die zum Ziel hat, deutschen Unternehmen einen direkten Zugang zur Regierung zu verschaffen. Verlässliche Informationen über den Stand des Wassers, der geplanten Gegenmaßnahmen und der Gefahrenlage waren während der Flutkrise im Oktober und November letzten Jahres ein rares Gut. Ausländische Unternehmen klagten über ein Chaos in der Informationspolitik der Regierung. Lokale Beamte standen im Widerspruch zu ihren nationalen Kollegen – während eine Behörde zur Evakuierung von Stadtteilen aufrief, gab die andere Entwarnung. So gelang es unzähligen Firmen und Privaten nicht, sich und ihre Mitarbeiter und Familien rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Mindestens 600 Menschen starben.

Milliardenschäden entstanden, als Wassermassen aus dem Norden von Bangkok sieben von acht großen Industrieanlagen überfluteten – nebst tausenden von Straßen, Geschäften und Wohnhäusern. Die deutsche Industrie kam zwar mit einem blauen Auge davon. Viele thailändische Vertretungen deutscher Unternehmen sind nicht in den Flutgebieten im Norden von Bangkok beheimatet.

Einige Firmen aber, unter ihnen Rodenstock und Staedtler, konnten ihre Betriebe nur dank gutem Katastrophenmanagement und effizienten Evakuierungsplänen vor dem buchstäblichen Untergang retten. Andere ausländische Konzerne kamen schlechter weg: die für Thailand wirtschaftlich entscheidende Automobil- und Computerindustrie erlitt Milliardenschäden. Unternehmen von Honda bis Western Digital konnten erst in den letzten Monaten ihre Produktion wieder aufnehmen.

Eine Überflutung des Geschäftszentrums von Bangkok, in dem ein wesentlicher Teil der wirtschaftlichen Leistung Thailands erbracht wird, wurde knapp verhindert. Trotzdem hatten die Fluten verheerende Konsequenzen für die Gesamtwirtschaft. Im vierten Quartal 2011 fiel das BIP-Wachstum um 9 Prozent ins Minus. Über das Jahr gerechnet legte das Wachstum um nur 0,1 Prozent zu – eines der schlechtesten Ergebnisse in der Geschichte des Landes.

Die ausländische Wirtschaft trat in den letzten Monaten bei Premierministerin Yingluck Shinawartra die Türe ein. Ihre Vertreter und forderten nicht nur eine bessere Informationspolitik, sondern die komplette Überarbeitung und Modernisierung der bisherigen, stark regionalisierten und laut Kritikern verpolitisierten Wassermanagementpläne. Einige japanische Grossunternehmen sollen gewarnt haben, das Land zu verlassen, wenn die Regierung nicht sofort handle.

„Thailand muss das Wassermanagement auf ein nationales Niveau bringen“, meint Jörg Buck im Gespräch mit dem Handelsblatt. Er ist durchaus zuversichtlich, dass die Regierung die Ernsthaftigkeit der Situation erkannt hat. Die Verantwortung für Flutmanagement liege nun beim Vizepremierminister. „Wir sind also auf einem guten Weg“. Verschiedene Länder, allen voran Japan als führender ausländischer Investor, haben Bangkok Unterstützung bei der Ausarbeitung neuer Pläne und Maßnahmen zu Flutbekämpfung zugesagt.

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Schlechtes Management führte zur Katastrophe

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  • Genau richtig erkannt!

    Wer die thäiländische Mentalität nur halbwegs kennt, weiß dass da so ziemlich alles sinnlos ist.
    Keiner hat Fehler gemacht.
    Die Behörden versprechen jetzt allerhand und warten bis Gras darüber gewachsen ist. Nichts wird sich ändern. Das ist Thailand.

    Ist wohl wie Griechenland.

  • Deutsche Firmenvertreter brauchen da gar nicht hingehen.

    Die meisten verstehen die Thailändische Mentalität nicht.
    Bei der Flut gab es keine Fehler. Punkt. Kann es gar nicht gegeben haben. Denn dann müsste ja jemand diese Fehler gemacht haben und die Verantwortung übernehmen. Das würde bedeuten derjenige verliert sein Gesicht, und so etwas furchtbares kann und wird es nicht geben.

    Zusammen mit der derzeitigen politischen Lage gibt es nur eine Lösung: Selber Dämme bauen. Geht schneller und billiger.

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