Industrie
FMC erwartet keine Folgen aus Voruntersuchung in USA

Die US-Justiz hat erneut eine Tochtergesellschaft des Dialyseanbieters Fresenius Medical Care ins Visier genommen.

dpa-afx BAD HOMBURG. Die Behörden von St. Louis (Missouri) haben Geschäftsunterlagen der Fresenius Medical Care Holdings Inc. per Strafandrohung (subpoena) angefordert, wie der Bad Homburger Mutterkonzern am Mittwoch mitteilte. Ein Sprecher gab sich indes zuversichtlich, dass der Vorgang ohne negative Folgen bleiben werde.

Branchenexperten sprachen von einem gewissen "Unsicherheitsfaktor". An der Frankfurter Börse gab die Aktie zunächst mehr als drei Prozent nach, konnte ihren Verlust aber im Laufe des Vormittags in einem stabilen Marktumfeld deutlich eingrenzen.

Die Vorlageverfügung wurde nach Unternehmensangaben "in Verbindung mit zivil- und strafrechtlichen Voruntersuchungen" zugesandt und bezieht sich auf den Zeitraum vom 1. Dezember 1996 bis heute. Die Justizbehörden forderten Einsicht in Dokumente unter anderem über klinische Qualitätsprogramme, Aktivitäten zur Geschäftsentwicklung, Vergütungen für Klinikleiter und Beziehungen mit Ärzten, Joint Ventures und die Anämie-Behandlungstherapie.

Über den Anlass hätten die Behörden keine Angaben gemacht, hieß es. Dazu seien sie auch nicht verpflichtet, sagte Fresenius-Konzernsprecher Joachim Weith. "Wir sind zuversichtlich, dass diese Maßnahme zu keinen Beanstandungen führen wird", fügte er hinzu. Auch der Hauptkonkurrent in den USA, Davita, habe zu etwa dem gleichen Themenkomplex vor einigen Wochen eine Vorlageverfügung aus St. Louis erhalten.

Fresenius Medical Care hatte nach den Worten Weiths außerdem im Jahr 2000 bereits eine Vereinbarung (Corporate Integrity Agreement) mit den US-Gesundheitsbehörden abgeschlossen. In der Vereinbarung sei die Befolgung der behördlichen Verhaltensmaßregeln (Compliance) im Einzelnen festgelegt, auch im Hinblick auf den von der Justizbehörde in St. Louis verfolgten Themenkomplex. Die Einhaltung dieser Regeln werde seit 2000 regelmäßig durch unabhängige Dritte geprüft, und zwar durch die Wirtschaftsberatungsgesellschaft Pricewaterhousecooper (PwC).

Branchenexperten reagierten gelassen auf die Nachricht. Analyst Alexander Groschke von der Landesbank Rheinland-Pfalz sagte: "Nach unserer Einschätzung hat FMC keine signifikanten Belastungen zu erwarten. Allerdings sind Aussagen zu laufenden Verfahren der amerikanischen Justiz immer mit großer Unsicherheit behaftet". Groschke beließ seine Einstufung der Aktie auf "Outperformer".

Eine Analystin, die nicht genannt werden wollte, sprach von einem gewissen "Restrisiko, vor allem im Hinblick auf die Vorgänge vor 2000". Man wisse nie genau, was die US-Justiz sucht. Andererseits habe FMC schon mehr Initiativen zur Einhaltung der Vorschriften ergriffen als andere Unternehmen.

Der Fresenius-Sprecher wies darauf hin, dass es keinen Zusammenhang zwischen der jüngsten Vorlageverfügung und einer früheren vom Oktober 2004 gibt. Die Verfügung damals sei von den Justizbehörden in New York erlassen worden und habe sich auf einen bestimmten Labortest (Parathyroid Hormone - PTH) und Vitamin-D-Therapien für Dialysepatienten bezogen. Auch diese Maßnahme sei bisher ohne Folgen geblieben. Zum Stand des Verfahrens lägen aber keine weiteren Informationen vor. Die Justizbehörden würden die betroffenen Unternehmen in der Regel nur unterrichten, wenn sie weitere Maßnahmen ergreifen wollten.

Bei dem Fall in New York waren Unterlagen der FMC-Töchter Fresenius Medical Care Holdings Inc. und Spectra Renal Management angefordert worden. Es habe sich um eine branchenweite Untersuchung gehandelt, sagte Weith. Es sei auch nichts Ungewöhnliches, dass örtliche Behörden die geschäftlichen Beziehungen zwischen den Unternehmen und Ärzten sowie Kliniken überprüften. Im Blickfeld stünden in der Regel Fragen nach der Qualität der medizinischen Produkte oder einer möglicherweise unzulässigen Einflussnahme der Unternehmen auf die Verschreibungshäufigkeit bei Ärzten.

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