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Deutsche Bergbautechnik findet neue Märkte

So eindeutig verschwindet selten ein Markt: Spätestens wenn 2018 der letzte Kumpel in Deutschland in eine Zeche einfährt, dann ist die Deutsche Bergbautechnik (DBT) ihren Heimatmarkt endgültig los. Der Zukunftsmarkt der Deutschen Bergbautechnik liegt woanders.

MÜNCHEN. „Wir wussten was kommt und haben neue Märkte aufgebaut“, sagt William Tate, Chef der DBT auf der Baumaschinenmesse Bauma in München. „Unsere Zukunft liegt jenseits von Europa, vor allem in China“.

Der Vorstandschef ist Amerikaner, die Eigentümer sind es auch. Mit dem Beschluss zum Ausstieg aus der Kohleförderung hat der Essener RAG Konzern seine Lünener Tochter für 560 Millionen Euro an den US-Bergbauausrüster Bucyrus verkauft. Die Amerikaner sind bislang auf Technik für den Übertagebergbau spezialisiert. Mit der DBT geht es jetzt in die Tiefe.

Die DBT ist das Herzstück der deutschen Bergbautechnik. Die 3 200 Mitarbeiter setzen rund eine Milliarde Dollar um, das entspricht nach eigenen Angaben einem Weltmarktanteil von 25 Prozent für Untertagetechnik. Das gilt für die gesamte Branche: Deutsche Bergbauausrüstung genießt weltweit einen guten Ruf. Die verbliebenen 130 Unternehmen setzten im vergangenen Jahr 2,55 Milliarden Euro um, das entspricht einem Zuwachs von elf Prozent. 16 500 Menschen beschäftigt die Branche vornehmlich im Ruhrgebiet, das sind 500 mehr als im Jahr zuvor. 83 Prozent des Umsatzes stammt aus dem Export. Dennoch warnt Verbandschef Peter Jochums vor den Folgen der deutschen Zechenschließungen: Arbeitsplätze und Know-how werden trotz voller Auftragsbücher langfristig ins Ausland abwandern.

„Wer glaubt, dass der Untertagebergbau keine Zukunft hat, der irrt. Das gilt nämlich nur für Westeuropa“, sagt DBT-Chef Tate. Die Lünener Untertagespezialisten sind auf Strebtechnik spezialisiert, eine Abbaumethode die in den vergangenen 100 Jahren im Ruhrgebiet perfektioniert wurde. Strenge Auflagen der Bergämter und der massive Kostendruck in den Revieren haben den Deutschen die Spitzenstellung eingebracht. Doch spätestens 1994, als die DBT aus einer Hand voll Zulieferer fusionierte, mussten neue Märkte jenseits der Ruhr erschlossen werden. Mit Erfolg: Machte die DBT vor zehn Jahren noch achtzig Prozent ihrer Erlöse in Deutschland, so sind es heute gerade noch zehn Prozent. Gleichzeitig hat sich der Umsatz verdreifacht.

Das Geschäft mit dem schwarzen Gold wird anderswo gemacht. Der große Zukunftsmarkt für die DBT heißt China, ein Viertel der weltweiten Kohleförderung entfällt mittlerweile auf das Reich der Mitte. Bis 2020 wollen die Chinesen die Kohleproduktion verdoppeln. „90 Prozent der chinesischen Kohlereserven liegen unter Tage, das ist unsere Chance“, sagt Tate.

Der Markt ist groß, doch der Strukturwandel schwierig. Denn bislang stammt erst die Hälfte der chinesischen Produktion aus mechanisierten Bergwerken. Der Rest wird zumeist aus illegalen Kohlegruben gekratzt, teilweise mit Kinderarbeit. Regelmäßig versucht die chinesische Regierung, die nicht genehmigten Bergwerke zu schließen – mit mäßigem Erfolg. „Mit einem mechanisierten Bergwerk könnten wir ein paar Hundert der illegalen Gruben ersetzen“, sagt DBT-Chef Tate.

Spätestens wenn der chinesische Markt richtig brummt, wird sich für die DBT die Standortfrage neu stellen. Vorerst gilt aber für die Standorte Wuppertal und Lünen Entwarnung. In den kommenden drei Jahren hat sich das Unternehmen verpflichtet von seinen 1 000 Arbeitsplätzen in Deutschland pro Jahr nicht mehr als 30 abzubauen.

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