Fördergelder in der Solarbranche
Die Subventionskarawane

Gestern Europa, heute USA, morgen China: Die Solarbranche grast eine Förderwelle nach der nächsten ab. Dabei unterbindet der staatliche Geldregen Innovationen – und verhindert so nachhaltige Gewinne. Ein Teufelskreis.
  • 4

DüsseldorfSolarmodule sind die Zebras der Sonnenindustrie: Auf den ersten Blick sehen alle gleich aus. Für selbst ernannte Premiumhersteller wie Solarworld, Deutschlands letzten noch existenten Großproduzenten, ist das ein veritables Problem. Wie sollen die Bonner, die 2013 nur knapp an der Pleite vorbeischrammten, potenziellen Kunden klar machen, dass ihre Produkte hochwertiger sind, als jene der Konkurrenz aus China? Wie lässt sich der Preisaufschlag gegenüber der Ware aus Fernost rechtfertigen?

Um die Qualität seiner Module unter Beweis zu stellen, setzt Solarworld-Chef Frank Asbeck gerne auf Live-Anschauungsunterricht. So bat er etwa Sigmar Gabriel vor gut zwei Monaten darum, bei einer besonderen Belastungsprobe mitzuwirken. Auf der weltgrößten Solarmesse, der Intersolar in München, sprang Asbeck zusammen mit dem SPD-Vizekanzler auf eines seiner doppeltverglasten Module und hüpfte unentwegt darauf herum. „Das ist der ultimative Härtest“, witzelte Gabriel angesichts des Gewichts, das die beiden Mitfünfziger gemeinsam auf die Waage bringen. Doch das Modul hielt stand. Asbecks Botschaft: Wir sind unzerstörbar. Solar lebt. Es geht wieder bergauf.

Tatsächlich ist in der Branche gerade ein neuer Goldrausch ausgebrochen. Das Analysehaus IHS Technology rechnet allein für 2015 mit einem weltweiten Zuwachs an installierten Solaranlagen von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bis 2019 könnte die jährliche globale Nachfrage von aktuell etwa 45 Gigawatt sogar auf 75 Gigawatt steigen.

Und auch die aktuellen Halbjahreszahlen von Solarworld geben Anlass zur Hoffnung. Zwar ist das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) weiter negativ. Doch der Konzernumsatz erhöhte sich um rund 40 Prozent auf 320 Millionen Euro. Anders als die zahlreichen Showeinlagen von Solarworld-Chef Asbeck suggerieren, wird das Wachstum der Bonner aber weniger durch Innovationen als durch Subventionen getrieben.

Abhängig von der Spendierlaune anderer

Die Branche hängt noch immer am staatlichen Fördertropf wie Heroinsüchtige an der Nadel. Schlimmer noch: Die Industrie hat sich der Politik und den Stimmungsschwankungen ihrer Akteure heillos ausgeliefert. Je nach Spendierlaune der Regierungen verlagern sich große Teile der Unternehmensumsätze sprunghaft von Kontinent zu Kontinent. War Europa 2012 noch der größte Solarmarkt, ist Asien heute schon drei Mal so bedeutend und Amerika bald doppelt so wichtig. Wer nicht schnell genug auf die Veränderungen reagiert, wird im Preiskampf eliminiert.

Die Misere läuft dabei meist ähnlich ab: Auf einen kurzen Boom folgt der steile Absturz. Die Blase platzt – so wie in Deutschland. Bis vor drei Jahren war die Bundesrepublik mit einem jährlichen Zubau an Photovoltaikanlagen von bis zu 7,6 Gigawatt noch der wichtigste Solarmarkt der Welt. Heute spielt Deutschland dagegen kaum noch eine Rolle. Nachdem die Vergütung für Solarstrom von einst mehr als 34 Cent pro Kilowattstunde auf zwölf Cent gedrosselt wurde, ist der Markt auf ein Viertel der einstigen Größe zusammengeschrumpft. Und es geht weiter abwärts. In Italien, Spanien und Tschechien waren die Schocks sogar noch drastischer.

Kommentare zu " Fördergelder in der Solarbranche: Die Subventionskarawane"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Herr Bauer, anstelle der ominösen Links hätten Sie es dem Leser einfacher machen können und dies als ökoreligiöse Phantasiezahlen kennzeichnen können.

    Ein grosser Teil der "Subventionen" des Herrn Bauer sind Kosten eines fiktiven ökoreligiösen "Klimawandels". Die Kosten des Waldsterbens hätte man ergänzen können.

    Ein weiterer grosser Teil sind sog. "externe Kosten", fiktive Kosten die man nach ökologischen Kriterien ermittelt. Erstaunlicherweise weisen die umweltschädlichen Windmühlen und Solarzellen keine/kaum "externe Kosten" auf.

    Ein geringer Teil sind tatsächliche Subventionen für die Bevölkerungen. Beispielsweise kostet Benzin in Saudi Arabien 7c/L (0,45 Rial), Diesel im Iran 1c/L (Stand 2010, 100 Rial). Damit möchten die Herrscher dieser Länder die Bevölkerung an den Schätzen des Landes teilhaben lassen.

  • "Die Branche hängt noch immer am staatlichen Fördertropf wie Heroinsüchtige an der Nadel."
    Wie es aussieht, brauchen die Erneuerbaren Energien Subventionen, weil Erd-Öl/Gas, Kohle usw. so hoch subventioniert werden.
    welt.de: "Die Welt steckt mehr Geld in Öl als in Gesundheit. Fossile Energieträger werden weltweit mit 5,3 Billionen Dollar subventioniert."
    http://bit.ly/1Uyjp6C
    Wir leben in einer irren Welt.
    Zur EEG-Abgabe empfehle ich ein Video von Prof. Dr. Weber:
    https://youtu.be/VjN_J3QA3RI

  • Energiewende/EEG = erst kommt die Lüge (Energie wenden zu können), dann kommt der Betrug/Selbstbetrug (marktfeindliches EEG), danach kommt der Mangel (Stromeinspar-Energieeinsparzwang) und zum Schluss die Offenen Hände der Armut (unbezahlbare Strom-Energiepreis bei einer mangelhaften Strom-Energieversorgung).

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%