Förderung
Solarbranche drohen weitere Einschnitte

Im vergangenen Jahr sind so viele Solaranlagen ans Netz gegangen wie noch nie. Die Verbraucher tragen die Förderung dafür über den Strompreis mit. Im Juli wird die Unterstützung nun weiter gekürzt.
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Nach dem Rekordzuwachs bei neuen Solaranlagen muss die Branche ab Juli automatisch weitere deutliche Förderkürzungen verkraften. Allein die angemeldeten Anlagen im letzten Quartal 2011 mit einer Leistung von 4150 Megawatt würden im Juli zu einer Senkung von mindestens 12 Prozent führen, teilte die Bundesnetzagentur am Montag in Bonn mit. Wahrscheinlich sei aber eine Senkung um 15 Prozent. Dafür müssten von Januar bis April nur noch Anlagen mit einer Leistung von etwa 225 MW gemeldet werden, sagte Präsident Matthias Kurth.

Mit rund 7500 Megawatt wurden 2011 so viele Anlagen wie nie zuvor gemeldet - der Dezember ist dabei bei neuen Solaranlagen der bisher stärkste Monat aller Zeiten. Als Grund wird unter anderem angeführt, dass es zum Januar eine Förderkürzung um 15 Prozent gab. Derzeit werden je Kilowattstunde Solarstrom 24,43 Cent Vergütung gezahlt. Die Vergütung sinkt automatisch, wenn eine bestimmte Anzahl neuer Anlagen ans Netz geht. Da wegen einer Flutung des Marktes mit billigen Modulen aus China die Preise stark gefallen sind, halten viele Koalitionspolitiker die Förderung immer noch für zu hoch. Sie fürchten angesichts des Ausbautempos eine zu starke Belastung der Verbraucher, die die Ökoenergieförderung über den Strompreis mitbezahlen müssen. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hat wegen des Rekordbooms Gespräche mit der Branche für nächste Woche angekündigt. Er schließt noch stärkere Kürzungen nicht aus.

Damit die Kosten für die Förderung nicht aus dem Ruder laufen, forderte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) rasches Handeln. Die Photovoltaik erzeuge nur 3 Prozent des deutschen Stroms, verursache aber 50 Prozent der Förderkosten, sagte Rösler der „Financial Times Deutschland“ und fügte hinzu: „So kann der Umbau der Energieversorgung in Deutschland nicht gelingen. Rösler geht davon aus, dass Röttgen „nun rasch konkrete Vorschläge vorlegen wird“. Die Umweltorganisation Greenpeace ging hart mit Rösler ins Gericht: „Es ist aberwitzig und spricht Bände, wenn Minister Rösler einerseits eine Zerschlagung der Solarförderung und zugleich neue Subventionen für den Bau von Kohlekraftwerken fordert“, sagte Greenpeace-Energieexperte Andree Böhling. „Die Förderung der Solarenergie kann weiter und stetig sinken, aber dieses sollte maßvoll und nicht mit dem Holzhammer geschehen.“ Bundesnetzagentur-Chef Kurth kritisierte indirekt das System einer automatischen Absenkung der Förderung als unwirksam: „Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass der Stichtagsmechanismus dazu beiträgt, den Zubau an Photovoltaik-Anlagen kurz vor einer Förderkürzung deutlich zu verstärken.“ Dies konterkariere das Ziel, die Kosten der Förderung der Solarenergie zu begrenzen.

An der Börse rutschten Solarwerte zum Wochenstart ins Minus. Aktien von Centrotherm und Q-Cells gehörten mit Kursverlusten von jeweils mehr als 2 Prozent zu den deutlichsten Verlierern bei den Technologiewerten. Die Papiere von Solarworld und SMA Solar gaben beide zwischen einem halben und einem Prozent nach. Für den insolventen Solarmodulhersteller Solon gibt es möglicherweise einen Hoffnungsschimmer: Nach Worten von Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg hätten sich „eine Handvoll potenzieller Investoren“ gemeldet. Die Interessenten prüften derzeit die Bücher des einstigen Vorzeigeunternehmens der deutschen Photovoltaik-Branche, das Mitte Dezember Insolvenz angemeldet hatte.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Lieber Vandale,

    ich schreibe gerade meine Bachelorarbeit im Bereich Solarenergie und bin so auf diesen Artikel und die Kommentare dazu gestoßen. Ich würde nun liebend gern deine Argumente Stück für Stück auseinandernehmen, dafür fehlt mir aber leider gerade die Zeit. Das werde ich bei Gelegenheit mal mit vernünftigen Quellen noch nachholen.
    Vorab aber nur soviel:
    1. Die Stromkosten eines "umweltfreundlichen" Kernkraftwerks" belaufen sich aktuell bei einem Neubau auf 10-15 Cent je kWh und sind stark von den Brennstoffkosten abhängig, welche in Zukunft, angesichts eines großen Energiehungers Chinas und Co. tendenziell stark steigen werden. In Europa kann nur in abgeschriebenen (und teilweise recht unsicheren) KWK für rd. 4 Cent Strom produziert werden.
    2. PV-Strom kann (auf 20 Jahre gerechnet) in Deutschland bereits für unter 15 Cent je kWh produziert werden. In anderen Ländern fast für die Hälfte, Tendenz fallend. Und nach aktueller Erkenntnis laufen PV-Kraftwerke locker 30 Jahre, idR sogar eher 40-50 Jahre.
    3. Mal ganz abgesehen von den ganzen wirtschaftlichen Fakten (also lassen wir mal ganz kommunistisch das virtuelle Geld beiseite): Ein KWK als umweltfreundlich und Solarstrom als umweltschädlich zu bezeichnen... Dazu fällt mir echt nichts ein. Das haben Sie nicht mal mit einer Quelle oder Begründung versehen. Da kann ich echt nur sagen: Ihnen hat man ins Hirn ges#*!$$en. Sorry, anders kann ich es nicht ausdrücken.
    Und 4.: Ich bin auch kein Fan von "Disco-Spargeln". Aber ich wohne immer noch lieber neben einem Windrad (oder auch 10) als einem Kernkraftwerk oder einem End-/Zwischenlager. Und ich bin mir sicher, dass Sie da auch nicht wohnen, sonst würden sie hier nicht so einen .... ablassen.

    Sonnige Grüße ;-)
    Christoph

  • Rufer in der Wüste...Das der Strom aus PV-Solarzellen ziemlich wertlos ist, ist mir bekannt und das ist zwischen uns nicht streitig.
    Der Gedanke den umweltschädlichen Strom aus Solarmonstren in der Nordafrikanischen Wüste mittels HGUe nach Europa zu schicken, ist sachlich wenig sinnvoll. Die Ihrerseits hierfür genannten Kosten von 1,5c/kWh sollten Sie gedanklich abhängig von der Auslastung (man könnte nachts umweltfreundlichen Strom aus Französichen KKW nach Afrika leiten) verdoppeln. Algerien und Aegypten haben Stromerzeugungskapazitäten im Bereich einiger zig-1000 MW. Das Aegyptische Netz wird an das Saudi Arabische Netz, mit einigen zig-1000 MW, welches wiederum mit weiteren Golfstaaten verbunden ist, verbunden (Infostand 2010). Insofern liesse sich der Strom der Oekosolarmonstren mit entsprechenden Subventionen dort einspeisen.
    Ich weiss nicht ob Ihnen bewusst ist, dass die Wartungs- und Instandhaltungskosten einer derartigen Anlage in der Wüste sehr hoch sind. Der Sand schmirgelt Spiegelflächen recht schnell blind, er setzt sich in Stellmotoren ab und muss an vielen Stellen regelmässig beseitigt werden. Der Sand nahe der Küste ist sehr salzhaltig und korrosiv. Somit dürften alleine die Betriebskosten Ihre Kostenschätzung von 6 c/kWh übertreffen.

    Die Kostenschätzung von 6c/kWh steht im Widerspruch zu anderen Projekten. Ein etwa 4 - 5 facher Wert erscheint mir realistisch. Vielleicht haben Sie mir einen Link mit detaillierten Informationen zu diesem Projekt.

    Vandale


  • Vandale: Da ich die Zahlen, die Ihnen von Solar Millennium vorlagen nicht kenne, kann und möchte ich dies nicht kommentieren, abgesehen von dem Hinweis, dass damals der spanische Einspeisetarif für solarthermische Kraftwerke bei knapp 27 c/kWh lag und dies dann wohl kaum jemand finanziert hätte. Da wir offenbar beide über einige Jahrzehnte Berufserfahrung verfügen, sollten wir natürlich möglichst objektiv die Situation bewerten, da die meisten energiepolitischen Meinungsbildner auf einem Auge blind sind. Stromgestehungskosten unter 4c/kWh können sichtbar umweltschädigende Kohlekraftwerke heute nur noch in China, Indien oder Südafrika erzielen. Mit den in Deutschland erforderlichen Maßnahmen zur Luftreinhaltung liegen diese je nach Betrachtungsweise bei 6-8 c/kWh, wobei die Nachhaltigkeit der CO2-Abscheidung noch ein großes Fragezeichen aufwirft. So wie man ein Steinkohlekraftwerk mit einer ordentlichen Fluss- oder Meerwasserkühlung versieht, werden selbstverständlich auch solarthermische (MES) Kraftwerke zukünftig an den ausgedehnten afrikanischen Küsten errichtet und erzeugen mittels integrierter Meerwasserentsalzung Trinkwasser zur Versorgung der dortigen Bevölkerung und zum Aufbau der lokalen Infrastruktur. Die MES Kraftwerke produzieren den quasi CO2-freien, exportfähigen Grundlaststrom je nach Kraftwerksleistung und Standort für 5 bis 6 c/kWh. Die Transportkosten für die HGÜ über 3.000 km werden in diversen Artikeln mit 1-1,5 c/kWh veranschlagt, womit die Gesamtstromerzeugungskosten frei Grenze Deutschland auf dem Niveau von Kohlekraftwerken in Deutschland liegen. Damit erübrigen sich Ihre letzten Fragen. Sie stimmen mir sicherlich zu, dass derart erzeugter und dank großem Energiespeicher über 24h pro Tag jederzeit abrufbarer Solarstrom eine viel höhere Wertigkeit als Strom aus PV oder Offshore Wind, dessen Leistung oftmals nicht planbar bei unter 1% der installierten Leistung liegt, besitzt.

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