Folgen der Finanzkrise
Industrie droht scharfer Gewinneinbruch

Nach dem Kollaps zahlreicher Banken wachsen die Befürchtungen, dass die Folgen der Finanzkrise nun auch in den hintersten Winkeln der Wirtschaft zu spüren sein werden. Insbesondere für Amerikas und Europas Industrieunternehmen sagen Fachleute den stärksten Gewinneinbruch seit den Terroranschlägen vom 11. September voraus. Die Konzerne bereiten sich auf harte Zeiten vor.

DÜSSELDORF. Vor der heute beginnenden Berichtssaison für das dritte Quartal rechnen Experten mit schrumpfenden Firmengewinnen und steigenden Refinanzierungskosten. Als Beleg nennen Analysten die Zahlen des Industrie- und Finanzkonglomerats General Electric (GE), das unlängst seine Gewinnschätzungen für das Gesamtjahr deutlich nach unten korrigierte. Mehr noch: GE sah sich gezwungen, trotz des Kursverfalls neue Aktien auszugeben, um die eigene Kapitalstruktur zu verbessern.

Ian Sheperdson, US-Chefvolkswirt von High Frequency Economics, fürchtet: „Kein Zweifel: Die US-Wirtschaft schrumpft, und es wird noch viele schreckliche Befunde geben.“

Doch nicht nur in den USA, wo der Aluminium-Konzern Alcoa mit Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld an der Spitze heute die ersten Quartalszahlen vorlegt, auch in Europa erfasst die Finanzkrise nun die Schlüsselbranchen der klassischen Industrie. Darunter leidet das Exportland Deutschland am stärksten. Hier dürften die Gewinne der 30 größten Konzerne nach Berechnungen von Fachanalysten im Gesamtjahr um 7,5 Prozent sinken.

Am Montag betonte Henning Kagermann, Chef des weltgrößten Anbieters von Business-Software SAP, dass die Entwicklung der Finanzmärkte in den vergangenen Wochen für viele Unternehmen dramatisch und beunruhigend sei. Diese Sorgen hätten zu einem „sehr abrupten und unerwarteten Abschwung unseres Geschäftes unmittelbar vor Ende des dritten Quartals geführt“, sagte Kagermann. „Im Verlauf des dritten Quartals waren wir zunächst sehr zuversichtlich, unsere Erwartungen erfüllen zu können. Leider konnte sich die SAP den Auswirkungen der Finanzkrise, wie sie seit der zweiten Septemberhälfte die Märkte erfasst, dann aber nicht entziehen.“ Die Anleger sind alarmiert. Der SAP-Kurs stürzte am Montag um 16,4 Prozent ab.

Und es könnte noch schlimmer kommen. So erwartet Chefvolkswirt Carsten Klude von der Hamburger Privatbank M.M. Warburg, dass viele Firmen die jetzige Bilanzsaison nutzen, um die Erwartungen weiter herunterzusetzen. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ fragt Klude mit Blick auf die dramatisch einbrechenden Frühindikatoren in Deutschland und Gesamteuropa. Der Münchener Siemens-Konzern kündigte bereits an, drei Mrd. Euro an außerordentlichen Belastungen noch in das jetzt zu Ende gehende Geschäftsjahr zu packen.

Wie sehr die Finanzmärkte und Anteilseigner der Unternehmen der künftigen Ertragskraft misstrauen, belegen auch die Wertentwicklungen der Firmenanleihen. So hat sich für Unternehmen mit guter Bonität der Renditeaufschlag gegenüber soliden Staatsanleihen auf den Rekordwert von 2,3 Prozentpunkten erhöht. Noch dramatischer ist die Situation für Unternehmen mit schwacher Kreditwürdigkeit. Die Risikoprämien für deren Anleihen haben sich seit Jahresbeginn auf 13 Prozentpunkte verdoppelt.

Die Skepsis, die sich in diesen Zahlen widerspiegelt, zeigt auch der Business-Monitor des Handelsblatts. Danach gehen 43 Prozent der befragten 783 Führungskräfte davon aus, dass sich die Bedingungen für Kredite und Finanzierungen verschlechtern werden.

Autohersteller dürften besonders von teureren Krediten betroffen werden. Denn sie müssen in relativ hohem Umfang die Kreditvergabe an ihre eigenen Kunden refinanzieren. ebe/som/cü/shf/gil

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