Folgen der Japan-Krise
Lieferprobleme bei japanischen Bauteilen

Fünf Wochen nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe in Japan spüren auch immer mehr deutsche Firmen die Folgen. Vor allem die IT- und Autobranche kämpft mit Lieferengpässen.
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Berlin/Tokio

Jedes sechste Unternehmen der IT-Branche leidet laut einer neuen Bitkom-Umfrage bereits unter den Lieferengpässen.Zudem erwartet jeder fünfte Befragte, dass es zu Engpässen kommen wird. "Es ist nicht auszuschließen, dass sich das Problem weiter verschärft", sagte Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer im Telefongespräch mit Journalisten.

Es gebe Anzeichen, dass große Unternehmen etwa in der Automobilindustrie damit begonnen hätten, ihre bisherige Beschaffungspolitik bei Chips und anderen Komponenten zu überdenken, erklärte der Branchenexperte. "Einige Unternehmen spüren schon leichte Preissteigerungen bei Bauteilen, aber die sind im einstelligen Bereich." Im Einzelhandel sei wegen des hohen Wettbewerbsdrucks bei Handys, Computern und Geräten der Unterhaltungselektronik nicht mit wesentlichen Preissteigerungen zu rechnen.

Allerdings könne es ab Ende April merkliche Einschränkungen im Sortiment geben, berichtete die "Financial Times Deutschland" am Montag. Dies sei das Ergebnis einer Umfrage bei Herstellern und Händlern. Bei einzelnen Kameras, Camcordern und Computern sei mit Engpässen zu rechnen, hatte auch der Chef des Elektronikhändlers EP, Jörg Ehmer, Anfang des Monats angekündigt. Auf noch längere Wartezeiten müssten sich Käufer von japanischen Autos einstellen.

Ein Sprecher von Nissan sagte, ab Ende Mai werde es "sicherlich Auswirkungen geben". Auch bei Toyota müssen Kunden, die in Deutschland einen Neuwagen bestellen, mit Verzögerungen rechnen. Wegen fehlender Zuliefererteile hatte Toyota auch die Produktion in den USA und in Europa gedrosselt. Der Automobilhersteller hatte bei seinen Kunden um Verständnis geworben, dass derzeit nicht alle gewünschten Fahrzeuge verfügbar seien. Unterdessen nahm Toyota in allen japanischen Produktionsstandorten die Arbeit wieder auf, die nach der Naturkatastrophe vom 11. März unterbrochen worden war.

Beim größten europäischen Autobauer Volkswagen schlagen sich die Folgen des japanischen Jahrhundertbebens noch nicht im Einkauf und in den Lieferketten nieder. "Aktuell gibt es keine Auswirkungen auf die Produktion", berichtete ein Konzernsprecher in Wolfsburg. Eine eigens einberufene "Task Force" beobachte aber täglich die weitere Entwicklung.

Der Elektronikkonzern Sony musste wegen des Bebens mehrere Fabriken stilllegen. Wegen der anhaltenden Probleme mit der Energieversorgung plant das Unternehmen im Sommer Produktionsunterbrechungen. Bislang könne man auf "umfangreiche Lagerbestände" zugreifen, sagte eine Sony-Sprecherin der "Financial Times Deutschland". Potenzielle Lieferengpässe gebe es wegen der Versorgung mit Rohstoffen und Komponenten. Die langfristigen Auswirkungen seien momentan nicht absehbar.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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