Folgen des Bebens
Elektroindustrie befürchtet Engpässe

Für die deutsche Industrie könnte das Beben in Japan Folgen haben. Die Elektronikbranche befürchtet Lieferengpässe. Japan ist der drittwichtigste Lieferant für deutsche Unternehmen.
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FrankfurtDie deutsche Elektroindustrie befürchtet nach der Erdbebenkatastrophe in Japan und der unabsehbaren Folgen Lieferengpässe. Bei längerfristigen Produktionsausfällen könne es weltweit zu Ausfällen kommen, die dann Auswirkungen auf eine Vielzahl elektronischer Erzeugnisse hätten. Das berichtete der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) am Mittwoch in Frankfurt. Aus der Branche verlautete, dass die Autobauer auch hierzulande betroffen sein könnten. Andererseits könnten einige Sparten wie Halbleiter, aber auch die Autohersteller unfreiwillig von den Ausfällen profitieren.

Halbleiter und andere Bauelemente würden für die Motorsteuerung gebraucht. Noch seien die Lager zwar gut bestückt, aber die Energieknappheit in Japan könne dazu führen, das Nachlieferungen erschwert würden, hieß es. Auch Autoexperte Christoph Stürmer von der Beratungsfirma Global Insight sieht mögliche Belastungen für deutsche Autobauer. Sie könnten unter Engpässen leiden, weil Zulieferer in Japan ausfielen. Als Beispiel nannte er Porsche, der Getriebe von der japanischen Aisin beziehe, aber auch elektronische Bauteile aus dem schwer getroffenen Land.

Porsche habe derzeit keine Lieferengpässe wegen der Katastrophe in Japan, betonte ein Unternehmenssprecher. Die Entwicklung sei aber wegen der weiter extrem unsicheren Lage nicht absehbar, sagte er. Aisin beliefere den Sport- und Geländewagenbauer. In den Geländewagen Cayenne werden die Automatikgetriebe unter anderem eingebaut.

Der weltgrößte Autozulieferer Bosch überprüft gerade das Netz seiner Zulieferer in Japan. Mit rund 350 Betrieben arbeiten die Stuttgarter vor Ort zusammen. Zu möglichen Auswirkungen konnte ein Sprecher am Mittwoch noch nichts sagen. „Wir müssen uns erst einen Überblick verschaffen.“ Der Technologiekonzern hat derweil weitere Mitarbeiter und deren Angehörige aus der Krisenregion ausgeflogen. Bosch hat 36 Standorte mit rund 8000 Beschäftigten in Japan. Bosch produziere derzeit in Japan auf niedrigem Niveau. Es gebe große Probleme wegen der Stromausfälle.

Der ZVEI sieht die derzeitige Lage noch entspannt. „Bisher gibt es keine Lieferengpässe für die deutsche Elektroindustrie“. Jedoch habe Japan einen besonders hohen Stellenwert bei der Produktion von elektronischen Bauelementen, die einen zentralen Platz in der Wertschöpfungskette einnehmen. Hier stamme mehr als ein Sechstel des weltweiten Angebots aus japanischer Herstellung. Japan produziert dem Verband zufolge ein Zehntel aller elektrotechnischen und elektronischen Erzeugnisse weltweit und ist damit der drittgrößte Produktionsstandort hinter China und den USA. Mit einem Volumen von 250 Milliarden Euro im vergangenen Jahr rangiere auch der japanische Elektromarkt global auf Rang drei - hinter China und den USA.

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