Folgen des Bebens
"Größter Schock in Geschichte der Autoindustrie"

Die Autobranche leidet immer stärker unter den Folgen des Bebens in Japan. Dabei stehen die größten Ausfälle wohl erst noch bevor. Experten sehen die Autoindustrie schon auf die größte Krise aller Zeiten zusteuern.

TokioDie Globalisierung hat der Autoindustrie viele Vorteile gebracht, doch nach der Katastrophe in Japan werden nun die Nachteile weltweit vernetzter Lieferketten sichtbar. Die größten Ausfälle stehen den Autobauern noch bevor. Schon in einer Woche könnten Autokäufer Probleme bekommen, ein Modell in ihrer Wunschfarbe zu bekommen. Tausende Angestellte in der Autoindustrie rund um den Globus werden eine Zwangspause einlegen müssen. Und Unternehmen wie Toyota und Honda werden Milliardenumsätze verlieren.

Der Produktionsausfall kommt mit Zeitverzögerung, weil viele Teile wochenlang in Frachtschiffen auf See sind, bevor sie verarbeitet werden. Manche der Schiffe, die vor dem Erdbeben am 11. März in Japan losgefahren sind, haben ihr Ziel also noch gar nicht erreicht. Außerdem dauert es etwas, bis die Lager erschöpft sind. Der wirkliche Mangel an Teilen wird die Fabriken in den USA, Europa und Asien erst Mitte April treffen.

„Das ist der größte Schock in der Geschichte der Automobilindustrie“, sagt Automobilexperte Koji Endo von der Forschungseinrichtung Advanced Research Japan in Tokio. Ein Großteil der japanischen Autoindustrie steht still. Bei dem Beben und dem nachfolgenden Tsunami wurden zwar nur wenige Fabriken direkt beschädigt. Aber die eingeschränkte Versorgung mit Strom und Wasser bremst die Autobauer aus. Und niemand kann genau sagen, wie lange noch. Manche Experten rechnen damit, dass sich die Produktionsausfälle noch bis in den Sommer ziehen könnten.

Ein führender US-Notenbanker hat vor spürbar geringeren Autoverkäufen in Folge der Erdbebenkatastrophe in Japan gewarnt. Die globale Lieferkette werde durch die Schäden bei japanischen Herstellern beeinträchtigt, sagte der Präsident der Federal Reserve von Chicago, Charles Evans, am Montag. Als Beispiel für ein wahrscheinlich betroffenes Unternehmen nannte Evans das amerikanische BMW- Werk in Spartanburg. Deutsche Hersteller wollen bislang von Produktions- und Lieferengpässen nichts wissen. Verkäufe von Autos haben im vergangen Jahr in den USA dem Handelsministerium zufolge 1,7 Prozent der Verbraucherausgaben ausgemacht.

Hitachi Automotive Systems liefert den Autobauern Teile wie Luftmengenmesser und Antriebsregler. Derzeit sind die Werke des Unternehmens aber ohne Wasser und Gas, regelmäßig wird der Strom abgestellt. Die Hitachi-Arbeiter kehren Glasscherben zusammen, reparieren rissige Decken und eingestürzte Mauern. Und sie warten darauf, dass die eigenen Zulieferer die Arbeit wieder aufnehmen. Wann die Produktion wieder anlaufen soll, konnte ein Sprecher nicht sagen.

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