Folgen des Klimawandels
Deutscher Wein schmeckt dank Klimawandel

Deutsche Winzer profitieren von wärmeren Sommern. Doch der Ackerbau leidet unter den Wetterkapriolen. Züchter versprechen bereits Abhilfe.

DÜSSELDORF. „Ich profitiere von der globalen Erwärmung“, sagt Werner Näkel rundheraus – und streicht sich trotzdem leicht nervös über seinen blonden Schnauzbart ob dieser politisch wenig korrekten Feststellung. Der Winzer von der Ahr wird vor allem für seinen Spätburgunder in der Fachwelt hochgerühmt. „Gerade habe ich wieder eine Lieferung für drei Top-Restaurants in London auf den Weg gebracht“, berichtet der 53-Jährige.

Dabei galt Spätburgunder in Deutschland lange Zeit als schwierig in Anbau und Verarbeitung. Wirklich große Weine gelangen selbst in den besten Anbaugebieten nur in besonders guten Jahren. Und gerade das Weinbaugebiet an der Ahr, einem kleinen Flüsschen nördlich des Zusammenflusses von Mosel und Rhein, war lange klimatisch wenig begünstigt, liegt es doch nahe an der natürlichen nördlichen Grenze des westeuropäischen Weinbaus. Im Frühjahr bullerten viele Jahre sogar noch Heizöfen in den gemauerten Weinbergterrassen, um die Reben vor Frost zu schützen.

Als Werner Näkel 1982 den Lehrerberuf an den Nagel hängte und das elterliche Weingut Meyer-Näkel in Dernau übernahm, war der heimische Rotwein eine farb- und gerbstoffarme Flüssigkeit, die Näkel für untrinkbar hielt. Der damals 29-Jährige griff auf die alten Methoden seines Großvaters zurück. Er ließ die Trauben länger auf der Maische, holte die Farbe und Kraft heraus, die ihnen der warme steile Schieferboden und das einzigartige Klima des Ahrtals verleihen, und experimentierte erfolgreich mit der Lagerung in kleinen Eichenfässern, so genannten Barriques.

Hinzu kam die bereits vor rund 15 Jahren spürbare Erwärmung, die den Ausbau vollmundiger und eleganter Rotweine von Jahr zu Jahr erleichterte. Heutzutage kann nicht nur Näkel in fast jedem Jahr mit stabilen Erträgen rechnen. Die Ahr mit ihren nur rund 540 Hektar Rebflächen gilt als Top-Anbaugebiet – die Kenner der Zeitschrift „Der Feinschmecker“ schätzen ihre Weine genauso wie die Autoren der Gourmet-Bibel „Gault Millau“.

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