Fonds aus Abu Dhabi
Auch VW stand auf der Einkaufsliste

Auf der Hauptversammlung am 22. April in der Hamburger Kongresshalle holte Volkswagens intern umstrittener Chef Bernd Pischetsrieder vor fünf Jahren zum Befreiungsschlag aus und präsentierte das Emirat Abu Dhabi als Ankeraktionär. Knapp zehn Prozent der Aktien am Autokonzern, die praktischerweise im Besitz von VW selbst lagen, sollten die Scheichs für gut 1,6 Mrd. Euro übernehmen.

HAMBURG. Die Niedersachsen hätten damit nicht nur einen strategischen Investor gewonnen, sondern einen eleganten Weg gefunden, um die zwei Mrd. Euro schwere Übernahme der niederländischen Leasinggesellschaft Lease-Plan ohne Bargeld zu stemmen.

Doch bereits im September war der Deal geplatzt: Das VW-Paket war an der Börse zwischenzeitlich nur noch gut eine Mrd. Euro wert, der Kurs der Stammaktie dümpelte bei wenig mehr als 30 Euro - den Scheichs war der Deal zu teuer. Aus heutiger Sicht, mit Kursen von mehr 200 Euro, ein teurer Fehler. VW-Emissäre verhandelten später über einen Einstieg von Daimler - ebenfalls vergeblich.

Trotz der gescheiterten Kapitalbeteiligung hielt VW an einer Kooperation mit Abu Dhabi fest. Das Projekt war auf beiden Seiten Chefsache: VW-Chef Pischetsrieder, Chefaufseher Ferdinand Piëch und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) flogen nach Abu Dhabi, um eine Industrieholding mit dem Emirat zu gründen. Staatspräsident Khalifa bin Zayed al Nahyan gewährte dem Trio eine Audienz.

Das Kapital in Höhe von mehreren Hundert Mio. Euro sollte überwiegend von lokalen Investoren kommen. 2005 sollten erste Fabriken gebaut werden. Ab 2006 wollte VW am Golf 1 000 Lkw-Bausätze aus seinem Werk in Brasilien montieren, später waren 3 000 Lkws pro Jahr geplant. VW wollte ein Drittel an der Holding halten. Für den Rest standen Investmentgesellschaften wie Mubadala bereit. Doch die Pläne verliefen im Sande. VW äußerte sich zur gescheiterten Umsetzung gestern nicht. Fest steht, dass Großaktionär Porsche sich noch heute über das hilfreiche Zaudern der Araber amüsiert.

Für Lease-Plan fand man trotzdem eine Lösung: VW übernahm für eine Mrd. Euro 50 Prozent, jeweils 25 Prozent gingen an die saudische Olayan-Gruppe und Abu Dhabis staatliche Investmentgesellschaft Mubadala. Derzeit verhandelt VW über die Komplettübernahme der Leasinggesellschaft. Abu Dhabi dürfte sich bald ganz auf Daimler konzentrieren.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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