Ford und der Bahn-Streik
Danke, Henry!

Während Audi, VW & Co. vor dem nächsten Bahn-Streik zittern, schwimmt Ford in Köln obenauf: Der Konzern nutzt den Rhein für Transporte und muss einen Stopp der Produktion nicht befürchten – dem Firmengründer sei Dank. Eine Handelsblatt-Reportage.

KÖLN. Sollen sie doch verhandeln oder wieder streiken – dem Logistikmanager Hans-Bert Bong ist der Verlauf des Streits zwischen der Bahn -Spitze und der Lokführer-Gewerkschaft GDL ziemlich schnuppe.

Sagen würde er das niemals. Bong ist ein verbindlicher, graumelierter Manager im diskreten Boss-Anzug. Beim Erzählen zeigt der Mann, der ein wenig dem Schauspieler Jürgen Prochnow ("Das Boot“) ähnelt, auf die riesige Karte an der Wand seines Büros. "Früher hing hier nur Europa, inzwischen brauchen wir eine Weltkarte“, sagt er.

Bongs Augen ist die Freude darüber anzusehen, für seinen Arbeitgeber, den Autobauer Ford, zur rechten Zeit den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Deshalb landen Ford -Modelle nicht auf dem Abstellgleis wie Hunderte Güterzuge in diesen Wochen. "Unseretwegen stoppt hier keine Produktion“, sagt der Mann, der in Europa den Transport der Autos zum Kunden verantwortet.

Während Konkurrent Audi etwa angesichts des Bahn -Streiks mehrfach die Produktion im Werk Brüssel stoppen musste, läuft der Schichtbetrieb bei den Ford -Werken in Köln-Niehl nach Plan. Das ist allerdings nicht allein das Verdienst von Bongs europaweit rund 30 Mitarbeiter starken Logistiktruppe. Dank schulden die Kölner zwei ebenso unterschiedlichen wie mythisch verklärten Wesen: ihrem Firmenvater Henry Ford I. – und "Vater“ Rhein.

Henry Ford revolutionierte nicht nur den Automobilbau durch das Fließband, sondern er ließ seine Produktionsstätten vorausschauend am liebsten an Wasserstraßen errichten. Die 1931 eröffnete englische Ford -Fabrik in Dagenham östlich von London liegt beispielsweise direkt an der Themse. Als Henry und Clara Ford der Insel 1928 getarnt als "Mr. & Mrs. Robinson“ einen Besuch abstatteten, trafen sie nicht nur König Georg V. und Königin Mary, sondern sie machten sich auch ein Bild von der attraktiven Flusslage Dagenhams.

Auch die lange Zeit größte Fabrik der Welt in Fords Geburtsort Dearborn bei Detroit lag von Anfang an direkt am Ufer des River Rouge.

Und als Kölns Oberbürgermeister Konrad Adenauer 1929 Henry Ford davon überzeugte, seine deutschen Werke von Berlin nach Köln zu verlegen, kamen sie ans Ufer des Rheins.

Von "Mr. Robinsons“ Weitsicht profitiert das US-Unternehmen besonders in diesen Tagen, an denen an anderer Stelle in Deutschland bei Streiks im Güter- und Personenverkehr Stillstand droht. "Da sind wir dem Henry immer wieder dankbar“, sagt Hans-Bert Bong in rheinländischem Singsang. Der Logistiker sitzt in seinem Büro, umrahmt von einem deutsch-britisch-amerikanischen Flaggentrio und transparenten Plastikboxen mit Modellen derjenigen Fähren, die für Ford heutzutage die Autos auf dem Rhein transportieren.

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