Ford will an der ertragreichsten Marke seiner Luxussparte aber festhalten
Renault liebäugelt mit einem Einstieg bei Volvo

Die Probleme des US-Autokonzerns Ford regen die Phantasie der Konkurrenz an. Schließlich hat das weltweit zweitgrößte Unternehmen der Branche in seiner verlustreichen Luxussparte Premier Automotive Group (PAG) so klangvolle Namen wie Jaguar, Volvo, Land Rover und Aston Martin zu bieten.

hz/hof FRANKFURT/M. Die jüngsten Avancen kommen aus Frankreich. So signalisierte Renault-Chef Louis Schweitzer am Rande einer Automobilkonferenz in Paris, sein Unternehmen sei für ein Engagement bei Volvo offen. Aber der Preis müsse stimmen. Bei Ford werden Verkaufsabsichten aber dementiert. Schließlich gilt Volvo innerhalb der PAG zurzeit als einziger sicherer Gewinnbringer. Widersprochen hat Mark Fields, der Chef von PAG, auch bereits Gerüchten über den Verkauf der PAG-Marke Aston Martin an BMW.

Renault und Volvo hatten, bevor die Pkw-Sparte der Schweden 1999 komplett an Ford verkauft wurde, bereits 1994 erfolglos versucht, eine Allianz zu schmieden. Was im Pkw-Bereich fehlschlug, gelang schließlich in der Lkw-Sparte. Allzu konkret sind die Renault-Pläne mit Volvo allerdings noch nicht. So räumte Schweitzer ein, dass es noch keine Gespräche zwischen den Konzernen zu dem Thema gebe.

Für Renault würde der Einstieg bei einer Premiummarke nach Ansicht von Marktexperten durchaus Sinn machen. Denn das Produktportfolio der Franzosen und ihres Partners Nissan ist im Wesentlichen auf den Massenmarkt beschränkt. Der Versuch von Renault, ins Oberhaus vorzustoßen, war bislang nicht sonderlich erfolgreich. Der Luxus-Van Avantime wurde eingestellt, der Verkauf der Limousine Vel Satis läuft mäßig. Infinity, der Nobelmarke aus dem Hause Nissan, ist es bislang nur in den USA gelungen, Fuß zu fassen. Volvo würde dieses Manko beseitigen, denn „die Marke hat es geschafft, ihren Premiumcharakter zu bewahren“, konstatiert Michael Raab, Automobilanalyst beim Bankhaus Sal. Oppenheim. Er geht jedoch davon aus, dass Ford trotz aller finanzieller Probleme an Volvo festhält. „Schließlich ist es die Marke, die innerhalb von PAG am Besten läuft“, sagt er.

Doch nicht nur Ford hat mit seiner Luxusmarke Probleme, auch General Motors tut sich mit seiner schwedischen Tochter Saab äußerst schwer. Jahrelang gaben die Amerikaner Saab den Freiraum, sich als Premiummarke zu entwickeln. Doch statt neuer Absatz-Dimensionen erzielten die Schweden nur höhere Verluste. Jetzt riss GM der Geduldsfaden: Der US-Automobilkonzern nimmt Saab an die kurze Leine.

Auch in der Ford-Zentrale geht die Geduld zu Ende. Nach dem Weggang von Ex-BMW-Manager Wolfgang Reitzle zum deutschen Mischkonzern Linde schickten die Verantwortlichen den Mazda-Sanierer Mark Fields in die PAG-Schaltzentralen nach England. Er verordnete der Division einen Sparkurs, der langsam Früchte trägt. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir in diesem Jahr profitabel werden können“, kündigte Fields an. Genau dies fordert die Konzernspitze. Bis 2006 soll PAG etwa ein Drittel der geplanten Gewinne von Ford erzielen.

Davon ist die Luxussparte aber meilenweit entfernt. Der Absatz brach in den ersten Monaten dieses Jahres in Westeuropa um 8 % ein – und damit stärker als der Markt. Allein im Mai sackten die Verkäufe von Jaguar um 25 %, Land Rover um 17 % und Volvo um 7,2 % ab. Im ersten Quartal dieses Jahres fuhr die Luxussparte einen Verlust von 88 Mill. $ ein. „Ich bin normalerweise vorsichtig optimistisch“, sagte Fields kürzlich, „derzeit bin ich nur vorsichtig.“

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