Forderungen von Erzproduzenten: Neue Stahlpreisrunde droht

Forderungen von Erzproduzenten
Neue Stahlpreisrunde droht

Nach massiven Preisforderungen der brasilianischen Companhia Vale do Rio Doce (CVRD) drohen weitere Stahlpreissteigerungen. CVRD verlangt für 2005 Preiserhöhungen um 90 Prozent.

HB DÜSSELDORF. Die deutsche und europäische Stahlindustrie wehrt sich gegen die Preisforderungen des größten Eisenerzproduzenten der Welt. Der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Dieter Ameling, sagte am Donnerstag: „Erzpreissteigerungen in dieser Höhe sind absolut unberechtigt und können in keiner Weise mit Kostensteigerungen bei der Förderung gerechtfertigt werden.“ Sollte der brasilianische Konzern seine Forderung durchsetzen, kämen auf die Stahlunternehmen in Deutschland, die aus Eisenerz Stahl herstellen, nach Berechnungen des Verbandes zusätzliche Ausgaben für den Rohstoffbezug von rund einer Milliarde Euro zu. Das entspräche Mehrkosten von 25 bis 30 € je Tonne Stahl.

Auch der europäische Stahlherstellerverband Eurofer wies die Forderungen zurück. Eine Forderung von 90 % sei angesichts der im Vergleich zu 2004 praktisch unveränderten Bedingungen am Stahlmarkt völlig unverhältnismäßig, teilte Eurofer in Brüssel mit. Europaweit würde dies zu Kostensteigerungen von fast drei Mrd. Dollar führen.

Ein Sprecher von Deutschlands größtem Stahlproduzenten Thyssen-Krupp Steel sagte, die jährlich stattfindenden Preisverhandlungen hätten gerade erst begonnen. Eine Einigung mit dem für Thyssen-Krupp wichtigen Lieferanten CVRD erwarte er bis Ende März. Im vergangenen Jahr hatte CVRD Preissteigerungen von rund 20 % durchgesetzt. Die europäische Nummer zwei, Arcelor, hatte selbst Preiserhöhungen von 50 % als „absurd“ bezeichnet.

Die anziehende Konjunktur in den USA und das rasche Tempo der Industrialisierung in China hatten im vergangenen Jahr einen sprunghaften Anstieg der Nachfrage nach Stahl ausgelöst. Dadurch kam es teilweise auch zu Lieferengpässen. In Folge der drastisch verteuerten Rohstoffe erhöhten die Stahlhersteller ihre Preise, was viele mittelständische Stahlabnehmer - vor allem aus der Autoindustrie und den Maschinenbau - in wirtschaftliche Nöte brachte.

Drei große Gesellschaften, die CVRD mit einem Marktanteil von 32 % sowie die australischen Firmen Rio Tinto (25 %) und BHP Billiton (15 %) beherrschen den Weltmarkt für Eisenerze. Für eine Rohstahlerzeugung von 1,06 Mrd. Tonnen waren im vergangenen Jahr 1,2 Mrd. Tonnen Eisenerz erforderlich.

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