Forderungsausfälle
Finanzkrise löst 2009 neue Pleitewelle aus

Auf Deutschland rollt eine neue Welle von Unternehmenspleiten zu. Die Zahl der Insolvenzen wächst bis zum Jahresende 2009 auf 35 000 Fälle, schätzt der Verband für Wirtschaftsinformationen Creditreform. Insbesondere Forderungsausfälle machen den Unternehmen zu schaffen.

DÜSSELDORF. Auf Deutschland rollt wegen der globalen Wirtschaftskrise eine neue Welle von Unternehmenspleiten zu. Bis zum Jahresende 2009 rechnet der Verband für Wirtschaftsinformationen Creditreform mit einem Zuwachs der Insolvenzen von zehn bis fünfzehn Prozent auf mehr als 35 000 Fälle. Die Bugwelle sei noch nicht erreicht, sagte Carsten Uthoff, Vorstandschef der Creditreform, gestern in Düsseldorf bei der Vorlage der Jahresbilanz.

Im Jahr 2003 hatten die Firmenpleiten mit knapp unter 40 000 Fällen ihren bisherigen Höchststand erreicht. Im Juli will die Creditreform, die auch als Inkasso-Unternehmen tätig ist, weitere Zahlen zur Entwicklung der Insolvenzen im ersten Halbjahr 2009 vorlegen. Vorstandsmitglied Helmut Rödl warnte zugleich vor Panikmache im Insolvenzgeschehen.

Forderungsausfälle weisen nach weiteren Angaben der Creditreform in der deutschen Wirtschaft inzwischen einen steigenden Trend auf. Allein im vergangenen Jahr mussten die Unternehmen hierzulande Forderungsausfälle von mehr als 40 Mrd. Euro verkraften. Für 2009 rechnet der Marktführer von Wirtschaftsinformationen in Europa mit einem Wert von deutlich darüber.

Immer mehr Mittelständler nutzten in der Krise das sogenannte Factoring. Bei dieser Finanzierungsform verkaufen Unternehmen offene Forderungen aus Warenlieferungen und erbrachten Dienstleistungen an eine Gesellschaft, den Factor. Der Vorteil für die Unternehmen: Sie bekommen einen Großteil des ausstehenden Rechnungsbetrags im Idealfall innerhalb weniger Tage aufs Firmenkonto überwiesen und sind damit wieder flüssig. Wenn der Endkunde die Rechnung beglichen hat, erhält das Unternehmen den Rest.

Allerdings agieren die Factoring-Gesellschaften äußerst vorsichtig. Nach Angaben aus Branchenkreisen kaufen viele Anbieter nur gute und unbeanstandete Forderungen vor der Fälligkeit auf. Und nur für diese gibt eine Vorauszahlung an den Kunden von bis zu 85 Prozent. Ein weiterer wichtiger Vorteil für den Factoring-Kunden ist, dass die an den Factor verkauften Forderungen zu 100 Prozent gegen Zahlungsausfall gesichert sind.

Mit aktuellen Zuwachsraten von 35 Prozent wächst dieses Geschäft dynamisch. Creditreform hatte 2008 von den Unternehmen 765 Mio. Euro Forderungen abgekauft, ein Zuwachs von 37 Prozent.

Insgesamt erzielte die Wirtschaftsauskunftei 2008 mit 4 500 Mitarbeitern weltweit einen Umsatz von 520 Mio. Euro. Das war ein Anstieg von knapp drei Prozent. Mit der Gründung einer Niederlassung in China im Herbst 2008 verfügt Creditreform jetzt über ein Netz von 21 eigenständigen Gesellschaften in 21 Ländern. In diesem Jahr rechnet das Unternehmen trotz Krise Umfelds mit einem leichten Umsatzplus.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%