Forgeard und Humbert gefährdet
EADS-Doppelspitze vor dem Aus

Die französische Regierung und Daimler-Chrysler erwägen laut Handelsblatt-Partnerzeitung „La Tribune“ bei EADS die Abschaffung der Doppelspitze. Die Strukturen beim Aeronautik-Konzern sollten deutlich vereinfacht werden. Eine Entscheidung steht noch aus. Kommt sie, müssten zwei Top-Manager ihre Stühle räumen.

PARIS. Daimler-Chrysler wollte sich auf Handelsblatt-Anfrage nicht zu den Plänen äußern. Aus dem Umfeld des deutschen EADS-Großaktionärs hieß es jedoch, dass einschneidende personelle Konsequenzen nach der ausufernden Geschäfts- und Führungskrise bei EADS unausweichlich seien.

Kommen Frankreichs Regierung und Daimler-Chrysler mit ihren Plänen durch, müssten demnach sowohl EADS-Co-Vorstandschef Noel Forgeard als auch der Chef der wichtigsten Konzerntochter Airbus, Gustav Humbert, ihre Posten räumen. Der deutsche Aufsichtsrats-Vize Manfred Bischoff und Frankreichs Finanzminister Thierry Breton hätten bei einem gemeinsamen Treffen für ein Ende der umstrittenen französisch-deutschen Doppelspitze plädiert, hieß es.

Die französische Seite schlägt vor, EADS künftig von einem Präsidenten des Verwaltungsrates sowie einem Generaldirektor (CEO) managen zu lassen. Verwaltungsratschef soll demnach ein Franzose werden – als Favorit gilt der Chef der Staatsbahn SNCF, Louis Gallois. Den Posten des Generaldirektors solle der Deutsche Thomas Enders übernehmen, der dann für das Tagesgeschäft verantwortlich wäre. Im Gegenzug beansprucht Frankreich allerdings wieder den Chefposten beim Flugzeugbauer Airbus für sich, auf dem derzeit der Deutsche Humbert sitzt.

Daimler-Chrysler will die Radikallösung

Daimler-Chrysler will bei der Vereinfachung der Strukturen noch weiter gehen. Der deutsche Großaktionär schlägt vor, die Posten Generaldirektor und Verwaltungsrats-Präsident in einer Hand zu bündeln. Dafür schwebt ihnen offenbar Enders vor. Im Gegenzug wären die Deutschen bereit, Humbert als Airbus-Chef zu opfern. An seine Stelle soll der Belgier Fabrice Brégier treten, der bisher an der Spitze der erfolgreichen Hubschrauber-Tochter Eurocopter steht.

Noch scheint die Lagardère-Gruppe mit diesem radikalen Personalschnitt nicht einverstanden, weil in beiden Szenarien Ex-Lagardère-Manager Forgeard aus dem Organigramm entfernt würde. Forgeard steht politisch jedoch immens unter Druck wegen seiner Aktienverkäufe vom März. Er wird verdächtigt, dabei bereits von den massiven Problemen bei Airbus gewusst zu haben, die in der Vorwoche zu einem Kurssurz der EADS-Aktie um fast 30 Prozent geführt hatten. Forgeard streitet das kategorisch ab.

EADS hatte Mitte Juni bekanntgeben müssen, dass sich die Auslieferung des Großraum-Flugzeugs Airbus A380 um bis zu sieben Monate verzögert – und das nun schon zum zweiten Mal. Diese bedeutet einen Milliardenschaden durch entgangene Gewinne und etwaige Schadensersatzforderungen der Fluggesellschaften.

Angesichts der Krise bei EADS und Airbus hatte Frankreichs Premierminster Dominique de Villepin kürzlich "schnelle Entscheidungen" versprochen.

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