Formel-1-Abenteuer am Golf
Daimler-Chef Zetsche fühlt sich wie im Autohimmel

In der Golfregion, wo Spritkosten kaum jemanden interessieren, fühlt sich Daimler-Cher Dieter Zetsche sichtlich wohl; das in Deutschland angekratzte Image scheint ganz weit weg. In der Boxengasse der nagelneuen Formel-1-Rennstrecke in Abu Dhabi ist der Mann mit dem Schnäuzer in seinem Element.
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ABU DHABI. Weit weg vom ersten strengen Wintereinbruch in der Heimat ist Daimler-Chef Dieter Zetsche bestens aufgelegt. 25 Grad Celsius, strahlend blauer Himmel, und 19 Prozent Absatzplus im November hellen die Laune auf. In der Boxengasse der nagelneuen Formel-1-Rennstrecke in Abu Dhabi geht der Mann mit dem Seehundschnauzer locker zu einem verhüllten Fahrzeug. Neben ihm der neue Silberpfeil-Pilot Nico Rosberg. „Ich hab noch was für Euch“. Ein kurzer Ruck und ein goldlackierter Flügeltürer SLS AMG kommt zum Vorschein. Zetsche sagt später: „Da fühlt man sich im Autohimmel“. Die Neuauflage des legendären Vorgängers aus den 50er-Jahren soll dem Image Flügel verleihen, zumindest in der kaufkräftigen Golf-Region.

Spritkosten interessieren in einem Land, in dem man einen Porsche Cayenne für 20 Euro volltanken kann und Luxusyachten direkt an der Rennstrecke ankern, wenig. Die Sonderlackierung kostet 15 000 Euro extra. Der Preis des Sportboliden SLS kratzt damit die magische Grenze von 200 000 Euro.

Die einzigen beiden Fahrzeuge dieser Art stehen ab Montag im Nachbaremirat Dubai, auf der wichtigsten Messe der Golfregion. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Raketen mit 576 PS den Weg in die Heimat wieder antreten müssen, ist gering. Kommt ein Interessent, kann er den Schwaben-Renner gleich mitnehmen. Die Messe findet zwar in Dubai statt, aber die finanzielle Führungsmacht der Region ist das 120 Kilometer entfernte Abu Dhabi. Am Montag hat Abu Dhabi dem kriselnden Nachbarn Dubai, dessen Immobilienblase gerade zu platzen beginnt, mit 10 Mrd. Euro unter die Arme gegriffen. In Stuttgart sind die finanzstarken Scheichs aus Abu Dhabi als größter Einzelaktionär schon längst ein Stabilisator des Konzerngefüges.

Erst stieg die staatliche Investmentgesellschaft Aaber im Frühjahr für zwei Mrd. Euro bei Daimler mit knapp 10 Prozent ein, dann beteiligte sich der Investor gemeinsam mit Daimler am US-Elektrosportwagenbauer Tesla und zuletzt standen die Scheichs den Schwaben Pate bei der Übernahme von 75,1 Prozent des Formel-1-Rennstalls Brawn Grand Prix für 180 Mio. Euro. Spekulationen, dass Aaber seine Beteiligung auf 15 Prozent aufstocken wird, bestätigen sich an diesem Tag noch nicht. „Ich werde heute noch Vertreter unseres Hauptaktionärs treffen, aber nicht Chairman Khadem al Qubaisi“, verrät Zetsche. An dessen Stelle kommt dann der CEO von Aaber Mohamed Badawy Al-Husseiny. „Wir werden künftig noch aufregendere Dinge mit Daimler tun“, sagt Al-Husseiny. Was, lässt er offen.

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