Formel-1-Ausstieg
BMW ist die Freude am Fahren vergangen

40 bis 60 Liter verbraucht ein Formel-1-Wagen auf 100 Kilometer. Sparsam ist definitiv etwas anderes. Wenn bei einem Rennstall dann auch noch der Erfolg ausbleibt, steigert man heutzutage sein Image nicht, sondern gefährdet es. Da ist es nur logisch, dass BMW jetzt die Reißleine zieht und sich aus der Formel 1 zurückzieht. Vielleicht kam der Entschluss sogar zu spät.

MÜNCHEN/KÖLN. Es war ein Eingeständnis des Scheiterns: BMW-Konzernchef Norbert Reithofer trat am Mittwoch vor die Presse und verkündete den Rückzug aus der Formel 1. Das Ende in der weltweit angesehensten Rennsportserie kommt angesichts der Erfolglosigkeit des Teams und der wirtschaftlichen Probleme des Autoherstellers nicht ganz überraschend – auch wenn Reithofer eine positive Deutung bevorzugte: Der Ausstieg sei Teil einer strategischen Neuausrichtung auf mehr Nachhaltigkeit, sagte der BMW-Chef. „Das Engagement in der Formel 1 entspricht nicht mehr unserer Hauptzielrichtung.“

Der Jahresetat des Teams mit seinen 740 Mitarbeitern liegt bei rund 150 Mio. Euro. Das Geld soll künftig in die Entwicklung von Elektroautos und Imagekampagnen für nachhaltige Unternehmenspolitik fließen. BMW will bis 2014 serienreife emissionslose Elektrofahrzeuge auf den Markt bringen. Seit 2007 verfolgt Konzernchef Reithofer eine Strategie unter dem Namen „Number One“. Neben massiven Kosteneinsparungen sieht das Programm vor, BMW schrittweise ein umweltfreundliches Image zu verpassen.

So baut der Hersteller seit einem Jahr serienmäßig Spritspartechniken in seine Autos ein und wirbt damit aggressiv. Mit Verfahren wie Bremskraft-Rückgewinnung, Start-Stop-Automatik und Luftklappensteuerung lässt sich 15 Prozent Benzin einsparen. Die Kosten bei jedem verkauften Fahrzeug trägt der Hersteller selbst. Sämtliche BMW-Dienstfahrzeuge müssen neuerdings große Aufkleber mit ihren Verbrauchswerten auf den Türen tragen, um das neue Image nach außen zu demonstrieren.

Doch diese Strategie ist nur die halbe Wahrheit. Hauptgrund für den Formel-1-Ausstieg dürfte die anhaltende Erfolglosigkeit sein. „Im Vordergrund steht bei solchen Entscheidungen immer die Wirtschaftlichkeit: Ohne Erfolge fehlt die Medienpräsenz. Und ohne die rentieren sich die enormen Ausgaben für ein Formel-1-Engagement nicht“, sagt Stefan Chatrath, Sportmarketing-Forscher an der Freien Universität Berlin.

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